Der Geist, der längst in uns wirkt – Die 7 Gaben des Heiligen Geistes
- 24. Mai
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Im ersten Beitrag über die sieben Gaben des Heiligen Geistes stand eine Verbindung im Mittelpunkt: in der Offenbarung des Johannes wird Christus als Lamm mit sieben Augen beschrieben. Die sieben Augen werden mit den sieben Geistern Gottes gleichgestellt. Daraus entstand der Gedanke, ob damit die allumfassende, göttliche Wahrnehmung durch die sieben Wirkweisen des Heiligen Geistes gemeint sein könnten.
Was die Gaben des Heiligen Geistes verändern
Die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die ich in den vorherigen Artikeln einzeln angeschaut habe, sind keine Fähigkeiten, die man sich aneignen könnte. Sie sind nicht vergleichbar mit den Tugenden, die den sieben Todsünden gegenübergestellt sind, und die der Mensch selbst äußerlich umsetzen kann.
Vielmehr sind die Gaben Weisen, wie Gottes Geist im Innern des Menschen wirken kann. Gott formt mit Hilfe des Heiligen Geistes Gläubige, die sich dafür öffnen. Durch die Gaben verschieben sich nach und nach die Prioritäten, die Wahrnehmung und das eigene Bewusstsein. Alles ordnet sich auf Gott hin und weg von Selbstsucht, Gier und den anderen Lastern. Die Liebesfähigkeit wächst, man steigt aus den Gedankenkarussellen aus, alte Wunden hören auf zu schmerzen. Die Folgen sind die Freude, der Friede, die Sanftmut und die anderen Früchte des Heiligen Geistes, die Paulus im Brief an die Galater nennt. Das ist kein anhaltender Zustand, negative Gefühle und Erinnerungen verschwinden nicht vollständig. Aber man kommt immer wieder und immer schneller zurück in die Ruhe Gottes.
Man kann es so formulieren: die Todsünden zeigen, wo der Mensch sich selbst krümmt – die Gaben zeigen, wie der Heilige Geist ihn wieder aufrichtet.
Wie empfängt man den Heiligen Geist?
Doch wie erhalte ich die Gaben des Heiligen Geistes? In der Apostelgeschichte wird beschrieben, dass vom Himmel ein Brausen kam, wie ein heftiger Sturm, und sich Zungen wie von Feuer auf den Anwesenden niederließen. Das wirkt spektakulär.
In den Tagen vor Pfingsten wird häufig die Pfingstsequenz gebetet, die beginnt: „Komm herab, o Heiliger Geist“. Muss ich also nach oben schauen und warten, dass Feuer, Tauben oder Licht auf mich herabfallen und mich von jetzt auf gleich vollständig verändern, wie ein „Zauberfunkelregen“?
Es gibt darauf wohl so viele Antworten wie spirituelle Wege: unzählige. Ich denke, das einzig Wichtige ist: es braucht die Bereitschaft, einen großen Schritt zurückzutreten und Gott das Feld zu überlassen. Nur wenn ich selbst und meine egoistischen Wünsche nicht mehr im Mittelpunkt stehen, kann ich zulassen, dass andere Kräfte in mir wirksam werden.
Nicht suchen, sondern wahrnehmen
Denn ich bin der Überzeugung: wir haben in der Taufe bereits den Heiligen Geist empfangen. Er ist schon da. Wir müssen nicht in den Himmel starren, flehen und warten. Wir müssen das blendende grelle Licht ausschalten, um unser Leuchten wahrzunehmen. Wir brauchen nicht zu suchen, nur zu finden. Damit ist gemeint, sich bewusst zu werden, dass die Gaben des Heiligen Geistes schon in uns verankert sind, sie sind nur von Rollen, Ideen, Meinungen und Egoismus überdeckt.
Es ist ein weiteres Paradoxon im Glauben: auf der Suche nach dem Heiligen Geist merken wir irgendwann, dass es der Heilige Geist ist, der uns längst führt. Es ist, als ob man versucht, mit einer Taschenlampe die Lichtquelle zu suchen.
Ob sich jemand dessen auf einem Pilgerweg bewusst wird, in kontemplativem Gebet, in Musik, in einer Gemeinschaft oder auf andere Weise, kann niemand steuern. Aber wer wahrhaft bereit ist, Gottes Willen für sein Leben anzunehmen, der ist dem Wirken des Heiligen Geistes bereits begegnet.

Wegweiser zu den anderen Artikeln über die 7 Gaben des Heiligen Geistes:



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