STÄRKE in der Mutlosigkeit – Die 7 Gaben des Heiligen Geistes
- 21. März
- 3 Min. Lesezeit

„Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind; ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“
(…)
„Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt“, schrie das Männlein und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, dass es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riss sich selbst mitten entzwei.
Beim Namen genannt
Rumpelstilzchen tanzt im Märchen um das Feuer und freut sich darüber, dass niemand seinen Namen kennt. Als die Königin ihn doch nennt, zerreißt es sich vor Wut selbst.
Der Name ist eng mit der eigenen Identität verbunden. In positiven Zusammenhängen nennt man ihn gerne. Es gibt eine Redensart: „Sie hat sich einen Namen gemacht.“ Manche erinnern sich vielleicht an eine Werbung, in der einer versicherte: „Dafür stehe ich mit meinem Namen.“
In kritischen Zusammenhängen möchten viele lieber „nicht namentlich genannt werden“. Manchmal liest man auch „er möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen“.
In extremen Situationen – Gefangenschaft zum Beispiel – werden Nummern statt Namen verwendet. Die Absicht ist eine Schaffung von Distanz bis hin zur Entmenschlichung.
Immer wieder wird darauf aufmerksam gemacht, dass Menschen sich im Internet hemmungsloser äußern, wenn das anonym ohne Angabe von Klarnamen möglich ist. Unter falschem Namen wird viel eher beleidigt, beschimpft oder verleumdet.
Es scheint, als sei man frei von der Verantwortung für das eigene Handeln, seine Aussagen und seine Haltungen, wenn sie nicht dem eigenen Namen zugeordnet werden können.
Zu sich stehen
Ich muss zugeben, dass ich auch gezögert habe, in diesem Blog meinen vollständigen Namen anzugeben. Ich schreibe hier in manchen Beiträgen über sehr persönliche Erfahrungen, Erkrankungen und Erlebnisse. Damit gebe ich ein Stück von meiner Identität preis und es besteht zumindest die Möglichkeit, dass ich Reaktionen erhalte, die nicht angenehm sind.
Dennoch habe ich mich dafür entschieden. Ich möchte über meine Erfahrungen schreiben, weil es vielleicht anderen helfen kann. Ich war mehrmals in meinem Leben in Situationen, in denen alles zusammengebrochen ist. Ich hatte schon oft keinen Mut mehr und wollte aufgeben. Aber immer wieder bin ich aufgestanden, weil ich mir meiner Verantwortung bewusst geworden bin – für Menschen in meinem Umfeld, für Aufgaben, die ich übernommen habe, oder auch nur für mein Leben, das Gott in dieser Welt haben wollte. Und genauso oft dachte ich an ein Lied aus meiner Kindheit: „Ich schaff das schon, (…) denn ich hab` immerhin schon ganz was anderes geschafft“.
Das hatte nichts mit Mut zu tun. Das hatte auch nichts mit Tapferkeit zu tun. Am ehesten könnte man es Standhaftigkeit nennen – wenn auch eine wackelige.
Es gibt eine Stärke, die einem Menschen hilft, über seine eigene Kraft hinaus standzuhalten. Es ist möglich, Leid zu ertragen, Rückschläge auszuhalten und nicht zu verzweifeln – sogar, wenn man es sich selbst nicht mehr zutraut.
Was verstehe ich unter Stärke als Gabe?
Für mich zeigt sich diese Gabe in zwei Formen.
Zum einen die Festigkeit, für etwas mit Entschlossenheit einzustehen, auch wenn es unbequem ist. Dazu gehört auch, zu sich selbst und seiner Verantwortung zu stehen – zu seinem Namen, zu seinen Entscheidungen, zu seinen Haltungen.
Zum anderen die Kraft, nicht aufzugeben. Im Guten standzuhalten, auch unter Druck, Angst oder Widerstand. Mit Geduld, Treue und Zuverlässigkeit der übernommenen Verantwortung gerecht zu werden.
Dafür braucht es kein Heldentum, keine Härte und keine Sturheit.
Stärke zeigt sich nicht darin, dass ein Mensch keine Angst hat. Stärke zeigt sich darin, dass er trotz seiner Angst weitergeht.
Stärke als Gabe des Heiligen Geistes
In der Bibel begegnen uns die Gaben des Heiligen Geistes zunächst bei Jesus Christus: Bei Jesaja ruht der Geist des Herrn auf ihm, und in der Offenbarung des Johannes erscheint das Lamm mit sieben Augen – den sieben Geistern Gottes.
Wo zeigt sich konkret diese Stärke bei Jesus? Als Jesus nach seiner Verhaftung vor Pilatus geführt wird, fragt dieser ihn, ob er tatsächlich der König der Juden sei. Jesus antwortet ihm: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“
Jesus steht zu seinem Auftrag, zu seiner Verantwortung und zu seiner Identität. Er weiß, dass diese Antwort seine Kreuzigung zur Folge haben wird – und geht trotzdem seinen Weg entschlossen weiter.
Das versteht jedes Kind
Es gibt ein Spielzeug, das seit Generationen Kinder fasziniert.
Die Beschäftigung besteht darin, das Spielzeug umzustoßen. Das ist aber nicht möglich – ganz von selbst richtet es sich immer wieder auf. Es ist: das Stehaufmännchen.
Vielleicht beschreibt dieses einfache Spielzeug die Gabe der Stärke besser als viele kluge Worte.

Wegweiser zu den anderen Artikeln über die 7 Gaben des Heiligen Geistes:



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