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Die 7 Todsünden – Warum ich genauer hinschaue

  • 5. Sept. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Feb.

Nahaufnahme vieler roter Äpfel dicht nebeneinander liegend.

Wirkt mit Furcht und Zittern euer Heil! Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt zu seinem Wohlgefallen. Tut alles ohne Murren und Bedenken, damit ihr rein und ohne Tadel seid, Kinder Gottes ohne Makel mitten in einer verkehrten und verwirrten Generation, unter der ihr als Lichter in der Welt leuchtet!


(Philipper 2,1215)


Warum Menschen der Kirche Werte zutrauen


Fragt man Menschen, warum sie ihre Kinder in katholische oder evangelische Kitas schicken, Angehörige in christlichen Pflegeheimen betreuen lassen oder selbst Kliniken in kirchlicher Trägerschaft wählen – obwohl sie sich nicht als gläubig bezeichnen –, hört man oft ein Stichwort: Werte.


Bei allem Naserümpfen über die Kirchen scheint dieses eine Licht beständig zu leuchten. Menschen haben eine Vorstellung davon, wie Christen mit anderen umgehen sollten.

Nächstenliebe. Fürsorge. Ein wohlwollender Blick für den Einzelnen. Rücksichtnahme. Ehrlichkeit.


Und es wird den kirchlichen Einrichtungen zugetraut, dass dies dort gelebt wird.


Werte sind leicht – Haltungen sind schwieriger


Während andere Unternehmen Agenturen engagieren und viel Geld investieren, um Unternehmenswerte – auch Core Values genannt – als Leitbild zu definieren, scheint bei der Kirche vieles selbstverständlich zu sein:


Nicht töten.

Nicht stehlen.

Nicht lügen.

Nicht begehren.


Soweit bekommen vermutlich die meisten einen Teil der Zehn Gebote noch zusammen und nicken innerlich beruhigt: Ja, daran halte ich mich.


Doch hinter den Handlungen stehen Haltungen. Beweggründe. Innere Muster. Sie sind weniger sichtbar – aber entscheidender.


Christliche Werte


Eine feste Liste von „christlichen Werten“, auf die sich alle Kirchen einigen könnten, gibt es nicht. Dafür sind die Schwerpunkte und Vorstellungen innerhalb der Kirchen einfach zu verschieden. In der Bibel sind neben den zehn Geboten, den Inhalten der Bergpredigt, dem Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe unter anderem noch die Früchte des Heiligen Geistes als erstrebenswert genannt: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Keuschheit. Das klingt alles schön – und vielleicht nickst du jetzt auch wieder innerlich: ja, das passt schon bei mir.

Ohne Makel?


Sind wir Christen dann alle Kinder Gottes ohne Makel, rein und ohne Tadel, wie Paulus es im oben zitierten Brief an die Philipper fordert? Wirken wir mit Furcht und Zittern, damit Gott unser Wollen und Vollbringen, also die Beweggründe und das Tun, bestimmen kann? Da vermute ich kein allgemeines Nicken mehr.


Tugenden – ein verstaubtes Wort?


Früher sprach man von Tugenden und vom Streben nach Tugendhaftigkeit. Worte, die heute schnell altmodisch klingen. Dabei sind die klassischen Tugenden – Glaube, Liebe, Hoffnung, Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung – alles andere als überholt.


Die sieben Hauptlaster – und warum sie uns betreffen


In der katholischen Tradition stehen diesen Tugenden seit Jahrhunderten die sieben Hauptlaster gegenüber. Oft werden sie „Todsünden“ genannt. Eigentlich sind sie aber vielmehr die Grundmuster, die in jedem von uns stecken, und Auslöser von menschlichem Fehlverhalten sein können. Aus diesen Eigenschaften oder Haltungen können Todsünden entstehen. Es sind:



Warum ich genauer hinschauen will


Es wäre bequem, sich zurückzulehnen und zu sagen: Die Gebote halte ich ein. Tugenden sind mir auch nicht fremd.


Doch so einfach will ich es mir nicht machen.


In den folgenden sieben Artikeln möchte ich jeweils eine dieser Todsünden betrachten – nicht als moralischen Zeigefinger, sondern als Spiegel.


Welche Rolle spielen diese Haltungen heute?

Wo finde ich sie in meinem eigenen Denken und Handeln?

Und was bleibt danach noch von meiner vermeintlichen Tugendhaftigkeit?

Erschließt sich danach vielleicht neu die Bedeutung von „Wirken mit Furcht und Zittern“?


Ein anderes Bild


Ich denke dabei nicht an die Drohpredigten vergangener Jahrhunderte, die zu jeder Todsünde gleich die passende Höllenstrafe mitlieferten.

Mein Bild ist ein anderes.


In Astrid Lindgrens Geschichte bricht Ronja Räubertochter zum ersten Mal allein in den Wald auf. Ihr Vater ruft ihr warnend zu, sie solle sich vor Graugnomen, Wilddruden, Borka-Räubern und dem Höllenschlund hüten.


Ronja fragt: Woher soll ich wissen, wer oder was das ist?


„Das merkst du schon“, antwortet er.


Und sie geht los.


Ronja meidet die Gefahren nicht. Sie geht auf sie zu. Sie lernt, sie zu erkennen. Und lernt, mit ihnen umzugehen – mit Respekt, aber ohne Angst.



Waldszene mit Sonnenstrahlen zwischen Bäumen und moosbewachsenen, gekreuzt liegenden Baumstämmen.





 
 
 

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