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Weg mit dir, Satan! - Teil I (Mt 4, 10)

  • Saskia
  • 11. Dez. 2024
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Jan. 2025


Fisch baumelt mit Köder an der Angel

Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab, denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm alleine dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

(Matthäus 4, 3-11)


Wenn Menschen heute Dinge tun oder sagen, die ihnen auf eine gewisse Weise fremdgesteuert vorkommen, dann werden allerlei Erklärungen in Erwägung gezogen: die Hormone, das Wetter, die Sternenkonstellation, Schlafmangel, spontanes Lebensgefühl, psychische Erkrankungen usw. Auf die Idee, Gott könnte in jemandem wirken oder sogar der Teufel, kommen wenige und wenn, wird es von anderen eher als absurd verlacht.


Ich selbst glaube nicht nur an das Wirken des Heiligen Geistes Gottes in Gedanken, Worten und Taten von Menschen, sondern auch an das Wirken des bösen Geistes des Satans. Ich verstehe gut, wenn das manche befremdlich oder lächerlich finden. Nach meiner Überzeugung gibt es sie jedoch, die heftigen inneren Kämpfe mit dem Teufel, und manchmal zeigt er sich sogar menschlich wahrnehmbar mit seinem verzerrten Grinsen, seinen selbstgerecht blitzenden Augen, mit einem übergriffigen Klang in der Stimme und einem zwingenden Gestus.


Spaltungen und Streit innerhalb und zwischen den Religionen sowie geistlicher und emotionaler Missbrauch in der Kirche könnten aus meiner Sicht oft vermieden werden, wenn der Unterscheidung der Geister mehr Bedeutung zugemessen würde. Amtsträger genauso wie Laien und alle Gläubigen sollten wieder befähigt und sensibilisiert werden, zu unterscheiden. Denn wenn der böse Geist enttarnt wird, verliert er seine Wirkkraft. Das unterscheidet ihn ganz wesentlich vom Geist Gottes.


Die Literatur über die Unterscheidung der Geister ist sehr umfassend und stammt aus den vergangenen 2.000 Jahren. Ich möchte hier eine kleine, grobe Übersicht geben und lasse dabei Sonderthemen wie Ordensleben oder Prüfung von Privatoffenbarungen weg, wobei die Basis auch in diesen Bereichen dieselbe ist.


Christliche Autoren beginnen mehrheitlich mit der Feststellung, dass der innere Antrieb zu Entscheidungen, Handlungen und Worten aus einer von drei Quellen stammen kann:

  1. aus dem menschlichen Eigenwillen (Menschenwerk)

  2. aus dem Geist Gottes (Gott ist am Werk) oder

  3. aus dem Geist des Widersachers (Teufelswerk).

Als „Böses“ wird gesellschaftlich gegen Gesetz oder Moral verstoßendes Handeln verstanden. Es wäre aber eine fatale Vereinfachung, „das Böse“ mit Gewalt, Krieg oder auch Naturkatastrophen gleichzusetzen. Diese Ereignisse haben ihre Ursache zwar in Sünden, aber um diesen Bereich geht es bei der Unterscheidung der Geister nicht! Es geht nicht um gut oder böse, sondern darum, ob Gottes Wille erfüllt wird oder nicht.


Bei der Unterscheidung der Geister geht es um gläubige Menschen und geistliche Gemeinschaften innerhalb der Religionen. Es geht um Worte oder Werke, die nach außen erstmal christlich, fromm und gut scheinen. Dabei wird gleich eine Tücke erkennbar: kein Gläubiger entscheidet sich bewusst und freiwillig dafür, dem Geist des Teufels zu folgen. Deshalb muss dieser fein und schlau täuschen, um verborgen zu wirken.


Laut Bibel ist der Satan ein Versucher, Verführer, getarnt als Wolf im Schafspelz, er erscheint als Engel des Lichts. In den Bezeichnungen Satan, Teufel bzw. Diabolos finden sich die Bedeutungen Verleumder, Widersacher, Durcheinanderwerfer, Verwirrer, Faktenverdreher, Spalter, Zerwürfnis Stiftender, Ankläger. Er gilt als Urheber der Lügen.


Mir gefällt eine Beschreibung, die den Teufel als den Affen Gottes bezeichnet. Ein Affe ahmt die Handlungen eines anderen nach, „äfft“ ihn nach. Fast alles, was Gott wirken kann, kann auch der Teufel nachahmen. Gott wirkt in Menschen durch den Heiligen Geist, der Satan durch den Geist der Lügen und der Täuschung. Aber Prophetie ist etwas anderes als Hellseherei, Weisheit etwas anderes als Wahrsagerei, Liebe etwas anderes als das Ego aufzublähen. Das gilt es zu erkennen.


Was ist das Ziel des Teufels? Er will die Seele von Gott trennen. Er will, dass wir Gott misstrauen. Das ist die erste Versuchung des Menschen: Gott nicht zu vertrauen, dass er es vollkommen gut mit uns meint. Dabei ist die List des Teufels, dass der Mensch lange selbst der Überzeugung bleiben soll, er sei mit Gott verbunden und würde ihm vertrauen.


Wie kann man den Heiligen Geist verstehen? Das kann ich nicht beantworten. Ich möchte aber eine Beschreibung wiedergeben, die etwas Gewaltiges recht einfach auf den Punkt bringen kann. Jesus sagt: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh 14, 25). Der Heilige Geist ist der, der bewirkt hat, dass seit 2.000 Jahren die Kirche weltweit, in allen Kulturen und Sprachen lehrt und erinnert, was Jesus getan und gesagt hat. Durch alle Kriege, Verfolgung, Verfehlungen, Spaltungen, Irrungen und Veränderungen hindurch glauben die Christen aller Länder heute noch an denselben Jesus Christus und an das Reich Gottes, das er vor zwei Jahrtausenden verkündet hat. Der Heilige Geist bewahrt den wahrhaftigen Kern der Kirche.


Wie kann es aber sein, dass vom Heiligen Geist geleitete, demütige und ehrliche Menschen, sogar solche, die ihr Leben vollständig in den Dienst Gottes gestellt haben, sich nach und nach in Lügen, Täuschungen, Selbstsucht, Götzendienst, Maßlosigkeit oder ähnliches verstricken und ihren Weg verlassen? Man sagt: wen der Teufel nicht bremsen kann, den treibt er an. Damit ist eine Übertreibung des Guten, die zum Schädlichen führt, gemeint. Oder wie es in der Bibel steht: auch die Auserwählten sollen irregeführt werden (Mt 24, 24).


Ein Mensch ist jedoch nie „ganz teuflisch“. So wie der Heilige Geist weht, wo er will, und von niemandem dauerhaft festgehalten werden kann, so wirkt auch der Geist der Täuschung von Zeit zu Zeit. Jedoch ist es meistens so, dass eine Lüge weitere nach sich zieht, Täuschungen, Verdrehungen, Vertrauensverlust und Zerstörung von Beziehungen folgen. So können immer größere Täuschungskonstrukte entstehen, aus denen der Ausstieg immer schwieriger wird, wenn der Geist nicht frühzeitig erkannt und bekämpft wird. Kleine Dosen vergiften schleichend den Menschen und seine Beziehungen zu Gott, zu sich selbst und zu anderen Menschen.


Es ist daher zuerst eine Selbstprüfung angebracht. Den Willen Gottes zu erkennen, das Böse zu meiden und sich nicht in die Irre führen zu lassen, sind die Ziele der Unterscheidung. Das gilt insbesondere bei einer Entscheidung, bei der jemand oder eine Gruppe als geistliche Person oder geistliche Gemeinschaft dem Willen Gottes folgen will. Das können zum Beispiel auch kirchliche Gremien, Gebetskreise oder Jugendgruppen sein. Eine weitere Prüfung bezieht sich auf die Worte und das Verhalten anderer Personen, vor allem Leiter, Prediger oder anderer, die geistlich Einfluss auf Menschen nehmen können. Das Prüfen soll jedoch kein Richten zur Folge haben! Ein Beispiel: In einer Sitzung äußert jemand: „Es scheint mir heute alles so verkrampft. Merkt ihr das auch? Woran liegt das? Misstrauen wir uns?“ Das ist eine Prüfung. „Das, was ihr hier macht, ist total verkrampft!“ Das ist richten.


Manche Menschen haben ein besonders feines Gespür: die Gabe der Unterscheidung der Geister, die als eine der Gaben des Heiligen Geistes in der Bibel genannt wird (1 Kor 12,10). Es lohnt sich daher, zunächst der Atmosphäre Beachtung zu schenken. Ein diffuses „da stimmt was nicht“, ein allgemeines Unbehagen, eine nicht greifbare Distanz oder auch ein unwillkürlicher Widerstand, jemandem in die Augen blicken zu können, sollten einen aufmerksam werden lassen. Man kann immer versuchen zu erfassen: wie wirkt etwas? Was hat es für eine Wirkung auf mich, auf den anderen, auf die Gemeinschaft, auf die Kirche? Daraufhin sollte die nähere Prüfung vorgenommen werden.


Für die Prüfung gibt es eine Reihe von Kriterien, die jeder selbst abfragen kann. Sie helfen zu unterscheiden, auch ohne die innere Unterscheidungsgabe. Die im zweiten Teil des Artikels stehende Tabelle mit Beispielen aus verschiedenen Quellen kann einen Eindruck verschaffen. Dabei ist zu beachten, dass kein Mensch ganz der einen oder ganz der anderen Seite zugeordnet werden darf. Jeder Gläubige wird auf seinem Weg immer wieder durch den Satan versucht. Und immer gibt es Abstufungen zwischen den Extremen. Jede Aussage, jede Handlung und jede Entscheidung können einzeln geprüft werden.

Ein bemerkenswertes Beispiel ist im Matthäus-Evangelium zu finden. Jesus ehrt Simon Petrus als den Fels, auf dem er seine Kirche aufbauen und dem er die Schlüssel des Himmelreiches übergeben wird. Wenige Sätze später äußert Simon Petrus scheinbar aus Sorge über das bevorstehende Leid und den Tod Jesu: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“ Jesus erkennt in diesen Worten den Antrieb und antwortet in die Richtung des eben noch Geheiligten: „Tritt hinter mich du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ (Mt 16, 18-19 und 22-23)


Der Einzige, der vollkommen vom Heiligen Geist erfüllt war und den Geist des Teufels immer enttarnt hat, war Jesus. Und wann hat er den Heiligen Geist empfangen? Als er – der einzige Mensch ohne Sünde – sich in der Sündertaufe am Jordan klein gemacht hat.  Man kann den Heiligen Geist nicht durch Greifen nach oben einfangen. Aber man kann – wie Jesus – den Versuchungen des Satans entgegentreten, wenn man sie erkennt und aufdeckt.




Johannes der Täufer tauft Jesus im Jordan

 
 
 

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