WEISHEIT öffnet den Geschmackssinn – Die 7 Gaben des Heiligen Geistes
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Leicht süßlich und zugleich frisch säuerlich, gut ausbalanciert. Fruchtige Anklänge, eine herzhafte Tiefe, ein frischer, leicht grasiger Duft.
Unbeschreiblicher Geschmack
Wer diese Beschreibung liest, wird kaum darauf kommen, welcher Geschmack gefragt ist. Die meisten kennen ihn – aber die Worte führen nicht zu ihm hin. Eher ist es umgekehrt: Man kennt einen Geschmack und versucht, ihn irgendwie in Worte zu fassen.
Tomaten.
Was hat Geschmack mit Glauben zu tun?
Manchmal fragen Kinder in der Erstkommunionvorbereitung, ob die Hostien nach der Wandlung anders schmecken als vorher.
In einem Psalm heißt es: Kostet und seht, wie gut der HERR ist!
In der Wüste ernährte Gott die Israeliten mit Manna, das vom Himmel regnete. Es hatte den Geschmack von Honigkuchen. Doch nach einiger Zeit schmeckte den Israeliten das Manna nicht mehr.
Diese Beispiele weisen auf einen Zusammenhang von Glauben und Schmecken hin. Doch worin besteht er?
Vom Geschmack zur Weisheit
Das lateinische Wort für schmecken lautet sapere. Auf diesen Wortstamm geht der Begriff Sapientia zurück. Sapientia wird übersetzt mit Weisheit. Sie meint: eine Geschmacksfähigkeit für das Gute.
Es geht also um die Fähigkeit, etwas zu schmecken, einen Geschmack wahrzunehmen. Daran ist gut erkennbar, dass Weisheit weder für Intelligenz noch für spirituelle Elite steht. Weisheit ist eine Weise, die Welt wahrzunehmen – im Licht Gottes. Papst Franziskus nannte Weisheit die Gnade, alles mit den Augen Gottes sehen zu können.
Das Schwierige ist: Wie beim Beispiel oben führen Beschreibungen nicht zum Geschmack selbst. Nur die Auswirkungen der Weisheit können Anhaltspunkte geben.
Weisheit ordnet
Weisheit hilft, Dinge einzuordnen, innerlich zu erkennen, was gut ist – und daran Freude zu haben. Durch Weisheit bekommt alles seinen richtigen Platz: Wichtiges tritt nach vorne und Unwichtiges verliert Gewicht. Das Richtige wird höher gewichtet als das Naheliegende.
Das zeigt sich in Gelassenheit, Geduld, Sanftmut und Klarheit. Ein weiser Mensch reagiert nicht über, explodiert nicht, wertet andere nicht ab, verliert sich nicht in Details. Ein weiser Mensch hat kein Bedürfnis nach Rache und Selbstgerechtigkeit. Er wünscht denen, die ihn verletzen, aufrichtig alles Gute.
Ein Weiser springt nicht über jedes Stöckchen, das ihm hingehalten wird. Wie an einem Fels prallen Wellen von Aufregung und Negativität am Weisen ab – und diese innere Erhabenheit ist ihm selbst oft überhaupt nicht bewusst.
Was ich unter Weisheit als Gabe verstehe
Weisheit als Gabe des Heiligen Geistes wird geschenkt. Man kann sie sich nicht aneignen, nicht erreichen und nicht lernen. Diese Sanftmut ist keine Lethargie und keine Wehrlosigkeit – im Gegenteil, sie ist verbunden mit enormer Stärke.
Weisheit beinhaltet das Bewusstsein, dass über allem etwas Größeres steht. Sie lässt über die menschliche Begrenztheit hinaus erahnen, dass alles wohin führt. Sie ist wie eine geöffnete Tür, durch die bereits etwas hindurchscheint. Und dessen wird man sich bewusst, indem man etwas von diesem Schein geschmeckt – den Geschmack wahrgenommen – hat.
Weisheit als Gabe des Heiligen Geistes
In der Bibel begegnen uns die Gaben des Heiligen Geistes zunächst bei Jesus Christus: Bei Jesaja ruht der Geist des Herrn auf ihm, und in der Offenbarung des Johannes erscheint das Lamm mit sieben Augen – den sieben Geistern Gottes.
Wo zeigt sich konkret diese Weisheit bei Jesus? Alle vier Evangelien erzählen durchgängig von der Weisheit Jesu. In vielen Antworten ist sie erkennbar.
Als ein reicher Jüngling Jesus fragt, was er tun muss, um das ewige Leben zu gewinnen, erhält er zunächst die Antworten, die er schon kennt und befolgt. Auf weitere Nachfrage fordert Jesus ihn auf: „Verkaufe alles, was du hast … und folge mir nach.“ Jesus erkennt, woran er hängt, und benennt es.
Der Jüngling versteht die Worte – er hat die Einsicht und erhält einen Rat. Aber die Weisheit, was wirklich zählt, nimmt er nicht an. Er geht zurück nach Hause.
Weisheit steht oben, aber nicht am Anfang
Die Reihenfolge meiner Beiträge zu den 7 Gaben des Heiligen Geistes folgt nicht der klassischen Aufzählung. Traditionell wird die Weisheit als erste Gabe genannt. Ich habe die Reihenfolge genau andersrum gewählt. Denn bei den Schritten auf meinem persönlichen Glaubensweg erkenne ich eine Parallele zu den Wirkungen der Geistesgaben:
Mit Gottesfurcht erhält das Leben eine Ausrichtung auf Gott.
Mit Frömmigkeit wächst die Beziehung – zu Gott und zu anderen Menschen.
Mit Erkenntnis erschließt sich die Welt in ihren Zusammenhängen.
Mit Stärke wird es möglich, loszugehen und durchzuhalten.
Mit Rat zeigt sich der nächste Schritt auf dem Weg.
Mit Einsicht wird die Wahrheit innerlich immer klarer.
Mit Weisheit wirkt all das zusammen – und es ergibt sich der Geschmack des Ganzen.




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