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RAT ohne Ratschläge – Die 7 Gaben des Heiligen Geistes

  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 11 Stunden

Lensball mit Gabelung gepflasterter Feldwege in Weinbergen, grüne Wiese mit Busch in der Mitte, unter blauem Himmel.

„Ist es mir erlaubt, in dieser Gegend zu verbleiben, um Gott zu dienen, obgleich meine Eltern nichts davon wissen und ich deshalb mit meinem Gewissen nicht im Reinen bin?“

„Wenn du Gott dienen willst, musst du dich um niemanden kümmern. Wenn du aber hierbleiben wolltest, um gute Tage zu verleben, bleibst du besser bei den Deinen zu deren Unterstützung.“


Rat bei Bruder Klaus

 

Bruder Klaus lebte im 15. Jahrhundert als Einsiedler in der Schweiz. Viele Menschen kamen zu ihm und baten ihn um Rat. So wie ein Jüngling mit dem Traum vom Eremitenleben.


Bruder Klaus antwortete stets schlicht und knapp. Er gab keine fertigen Lösungen, sondern Impulse. Jeder Ratsuchende musste letztlich selbst vor Gott entscheiden und seinen eigenen Weg gehen.


Plötzlich Klarheit


Oft fallen Menschen Entscheidungen schwer. Viele kennen jedoch die Situation, dass sie jemanden um Rat fragen möchten und während sie ihr Problem – samt den bisherigen Abwägungen dazu – in Worte fassen, wird ihnen die Entscheidung plötzlich ganz klar. Sie merken: Sie ist innerlich längst gefallen. Das Gegenüber musste dafür gar nichts sagen, sondern nur zuhören. Das ist ein Moment, in dem man den richtigen Weg zum richtigen Zeitpunkt erkennt.


Es geht hier also um den Moment einer Orientierung vor einer Entscheidung und dabei konkret um eine Richtungsintuition.


Das bedeutet nicht, Tipps von anderen Menschen anzunehmen, eine Stimme vom Himmel zu hören oder auf Visionen zu warten. Entscheidend ist das innere Gespür: Dieser Weg stimmt. Man könnte es situative Klugheit nennen.


Rat braucht Unterscheidung


In der christlichen Tradition geht man davon aus, dass nicht nur der Heilige Geist auf innere Bewegungen einwirken kann. Es können auch das Ego, Angst oder Täuschungen dahinterstehen. In anderen Beiträgen habe ich mich ausführlich mit der Unterscheidung der Geister beschäftigt. Es gibt gewisse Kriterien, anhand derer jeder selbst prüfen kann, woher seine inneren Bewegungen vielleicht kommen.


Manche wünschen sich, dass ihnen jemand eine Entscheidung abnimmt. Oder sie fragen Gott und erhoffen eine deutliche Antwort als Wegweiser. Auch darüber habe ich bereits in dem Beitrag „Wie finde ich Gottes Willen? – Über Entscheidungen, Freiheit und Verantwortung im Glauben“ geschrieben. Für die eigene Entwicklung und Reife sind eigenständige Entscheidungen – und vor allem auch Fehlentscheidungen – sehr hilfreich.


Die Art von Rat, um die es hier geht, zielt nicht auf ein Ergebnis oder eine Lösung. Vielmehr richtet sich der Rat auf den nächsten anstehenden Schritt. Er bestimmt die Richtung des Weges.


Was ich unter Rat als Gabe verstehe


Der Rat ist eine Art innerer Kompass. Man sucht Gewissheit, indem man nach innen horcht. Dafür ist es notwendig, die lauten Stimmen von außen, die Wünsche des Egos und verschiedene Verlockungen auszublenden.


Dazu gehört auch zu akzeptieren, wenn es innen still bleibt. „Gabe“ bedeutet, dass man sie geschenkt bekommen, aber nicht selbst „vom Himmel pflücken“ kann. Vielleicht ist die Zeit für eine Entscheidung noch nicht gekommen oder man möchte den Rat gar nicht hören, weil man selbst eigentlich in eine andere Richtung gehen will. Rat braucht Geduld und Demut.

 

Rat als Gabe des Heiligen Geistes


In der Bibel begegnen uns die Gaben des Heiligen Geistes zunächst bei Jesus Christus: Bei Jesaja ruht der Geist des Herrn auf ihm, und in der Offenbarung des Johannes erscheint das Lamm mit sieben Augen – den sieben Geistern Gottes.


Wo zeigt sich konkret dieser Rat bei Jesus? Ein Schriftgelehrter fragte Jesus, welches Gebot das erste von allen sei. Jesus antwortet: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.“ Darum soll man Gott lieben, mit ganzem Herzen und ganzer Seele und den nächsten wie sich selbst. Jesus beginnt den Satz mit „Höre“. Darauf folgt die Aufforderung zur Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe. Statt konkreter Handlungsanweisungen gibt Jesus grundlegende Orientierung: zu hören und zu lieben.


Das ist vielleicht aus Gottes Sicht die Basis für alle Entscheidungen, auf der jeder weitere Rat aufbaut.


Ein Schritt genügt


Der Kirchenlehrer John Henry Newman betete:


Führe du mich voran! Achte du auf meine Füße! Das ferne Ziel muss ich nicht sehn; ein Schritt nur soll genug mir sein.


Dieses Gebet verdeutlicht, dass es um die Öffnung für den „Rat Gottes“ geht.



Baumstumpf mit geschnitztem Ohr und der Inschrift „Ganz Ohr“, umgeben von Zweigen eines Nadelbaums.


Wegweiser zu den anderen Artikeln über die 7 Gaben des Heiligen Geistes:

 
 
 

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