Ruhe finden (Mt 11, 29)
- Saskia
- 16. Okt. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Dez. 2024

Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
(Matthäus 11, 28-30)
"Jetzt soll i die aa no liab'n...!" seufzte aus tiefem Herzen eine Bayerin in einer Gesprächsrunde zu dem Thema, was man mit dem Namen Maria verbinde, und erhielt dafür vielfach mitfühlendes Lächeln (hochdeutsch: "jetzt soll ich die auch noch lieben..."). Man hörte ihr Bemühen und ihre Bereitschaft zum Glauben heraus, aber gleichzeitig auch eine Überforderung mit den vermeintlich vielen Anforderungen.
Ein ähnliches Gefühl hatte ich, als ich in einer herausfordernden Zeit die Worte Jesu aus dem Matthäusevangelium hörte. Es kam mir sehr widersprüchlich vor: Einerseits die wohlklingende Einladung an alle Erschöpften, zur Ruhe zu kommen. Andererseits aber zeitgleich die Aufforderung, Güte und Demut zu lernen und ein (weiteres) Joch auf sich zu nehmen. Auch wenn das Joch sanft sein soll und die Last leicht, bleiben sie ja doch Joch und Last. Und wenn ich ausgelaugt bin, wäre ich sicherlich gerne noch lernend, gütig und demütig, bin aber ehrlich gesagt manchmal einfach frustriert, missgelaunt und möchte den ein oder anderen auch gerne mal auf den Mond schießen.
Es ist wohl das Denken der Menschen unserer Zeit, das diese Textstelle so unbequem macht. Wenn wir an Ruhe für die Seele denken, haben wir 'ausruhen' im Kopf, eine Couch oder ein Wellnesswochenende, aber kein Joch. Wir möchten Dinge abgenommen bekommen statt noch etwas aufgeladen. Wir möchten eine Pause, eine Weile Stillstand. Mit Blick auf die Bibelauslegungen, die die mühselig und beladenen Menschen mit den Juden gleichsetzen, die viele strenge formale Vorschriften befolgen mussten, und das leichte Joch mit Jesu barmherzigen Regeln der Nächstenliebe, könnte man diese Textstelle auch einfach als nicht in die Zeit passend zur Seite legen.
Eine andere Denkrichtung setzt beim Verständnis des Jochs an. Das Joch war ein hölzernes Geschirr, mit dem Zugtiere vor Wagen oder landwirtschaftliche Geräte gespannt wurden. In der Regel wurden zwei Tiere nebeneinander unter einen Jochbalken gespannt. Auf Latein heißt Joch 'jugum', was auch als Duo, Paar oder Arbeitsgruppe übersetzt werden kann. Man könnte sich also vorstellen, dass Jesus möchte, dass wir das Joch gemeinsam mit ihm tragen. Neben Jesus, in gleicher Schrittgeschwindigkeit, als Team, fest verbunden. So könnte man in Jochgemeinschaft durch das Leben gehen und von Jesus lernen. Ich stelle mir das bildlich vor: ich beobachte dicht neben Jesus laufend, wie er mit Menschen umgeht und lerne davon. Wenn ich mal wieder die Splitter im Auge von jemandem sehe, flüstert mir Jesus von der Seite zu: "Denk an den Balken in deinen Augen!". Oder wenn ich über meine Sorgen jammere, erinnert mich Jesus sanft: "Lerne von den Lilien des Feldes!" Ja, es ist manchmal schwer, den Feind zu lieben, zu verzichten, zu vergeben oder sich selbst zurückzunehmen. Aber neben Jesus im Joch eingespannt, der es einem vorlebt, scheint mir das eine leichte Last zu sein, keine Überforderung. Mir würde es viel Ruhe geben, ihn als Coach direkt neben mir zu haben. Ruhe im Sinn von Frieden, Geborgenheit und Sicherheit. Eine Ruhe in Bewegung.
Jesus sagt, er wolle uns erquicken. Er möchte uns neu beleben und stärken. Wir sollen nicht sein Joch übernehmen, um ihn zu entlasten. Das braucht Jesus nicht. Er möchte vielmehr Gutes für uns. Dennoch ist es 'sein' Joch, weil er die Richtung, die Geschwindigkeit und die Arbeitsweise vorgibt. Von uns braucht er die Bereitschaft, ein Stück Freiheit und Eigenwillen aufzugeben. Das fordert jede Lebensgemeinschaft, jedes Arbeitsverhältnis und viele andere Bindungen. Jesus möchte mit uns eine Jochgemeinschaft, aber nicht seinetwegen, sondern unseretwegen. Wahrhafte Liebe zeigt sich darin, nichts von dem anderen, sondern alles für den anderen zu wollen.
Ein Priester antwortete der Dame aus Bayern in der oben erwähnten Gesprächsrunde:
"Nein, es reicht, wenn du dich lieben lässt."




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