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Wenn er umkehrt, vergib ihm! (Lk 17, 3)

  • Saskia
  • 2. Okt. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Dez. 2024


Verkehrsschild Wrong Way Falscher Weg

Seht euch vor!

Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er umkehrt, vergib ihm!

Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will umkehren!, so sollst du ihm vergeben.


(Lukas 17, 3-4)


Ich erinnere mich daran, wie oft in meiner Kindheit Streithähne von Lehrern aufgefordert wurden, sich zur Entschuldigung die Hand zu geben und sich so zu versöhnen. Alles an den Kindern drückte den Widerwillen aus, aber sie gehorchten und rannten meist schnell nach dem Pflichtakt in unterschiedliche Richtungen weg. Wie Versöhnung gelingt, hat auf diese Weise wohl niemand gelernt.


Vielleicht ist es deshalb auch gar nicht verwunderlich, dass um Vergebung zu bitten und zu verzeihen auch im Erwachsenenalter heute noch vielen schwer fällt. Dabei ist echte Versöhnung ein großartiges Gefühl, das Befreiung und Frieden bringt.


Was Menschen nach dem Bemerken eines Fehlers als 'entschuldigen' verstehen, ist vielfältig, genauso wie die Beweggründe dahinter. Das Gefühl der Verpflichtung, taktisches Kalkül oder die Vorstellung, sich selbst ent-Schuld-igen zu können, also die Schuld selbstbezogen von den eigenen Schultern zu nehmen, führen in der Regel nicht zu Versöhnung. Auch öffentliche allgemeine Floskeln ("wenn ich irgendjemanden irgendwie verletzt habe..."), Einschränkungen ("falls ich einen Fehler gemacht habe...") und Schuldabweisung ("tut mir leid, aber...") sind wenig geeignet, um etwas zu bereinigen, was eine zwischenmenschliche Beziehung belastet.

Der im Lukasevangelium benannte Wille zur Umkehr ist hingegen zu erkennen, wenn jemand im direkten Kontakt seinen Fehler eingesteht und klar benennt. Indem man aufrichtiges Bedauern zeigt, uneingeschränkt die Verantwortung übernimmt, die Verletzung des anderen wahrnimmt, Wiedergutmachung anbietet und um Verzeihung bittet, richtet man die Aufmerksamkeit auf den betroffenen Mitmenschen statt auf sich selbst. Auf der anderen Seite ist die Bereitschaft zur Vergebung erforderlich. Sturheit, Rachegelüste und Groll verhindern Versöhnung. Milde, Nachsicht und Wohlwollen werden benötigt. Aber auch eine schnelle oberflächliche Bekundung von Verzeihen ist nicht authentisch. Wahrhafte Vergebung ist erst möglich, wenn die gekränkte Person so weit ist, das negative Gefühl loszulassen. Versöhnung ist ein wechselseitiges Geschehen, wie es Jesus in den oben zitierten Worten seinen Jüngern deutlich macht.


In der Bibel weisen zahlreiche Stellen auf die Bedeutsamkeit der Versöhnung hin, sowohl zwischen den Menschen als auch zwischen Gott und den Menschen. Der Mensch wünscht sich dabei immer wieder Gottes Güte, also dass Gott "ein Auge zudrücken" möge. In Psalm 19 heißt es zum Beispiel "Versehentliche Fehler, wer nimmt sie wahr? Sprich mich frei von verborgenen Sünden.", im Vaterunser beten wir "Vergib uns unsere Schuld", in der katholischen Eucharistiefeier folgt darauf vor dem Friedensgruß die Bitte "Schau nicht auf unsere Sünden". Das Schuldbekenntnis und Bußgottesdienste sind Formen der gemeinschaftlichen Einsicht von Fehlern in der Hoffnung auf Vergebung.


Wie im zwischenmenschlichen Bereich hat es aber auch in der Beziehung zu Gott eine ganz andere Wirksamkeit, sich in einem persönlichen Zusammentreffen aufrichtig um Versöhnung zu bemühen. Katholiken kennen dafür das Sakrament der Versöhnung, auch Beichte genannt.

Leider wurden in der Vergangenheit viele Menschen - vergleichbar mit den oben erwähnten Schülern - gegen ihren Willen zur Beichte gedrängt. Auch heute noch gibt es Stellen, an denen das Sakrament der Versöhnung ähnlich einer Verpflichtung oder fast wie aus taktischem Kalkül zur eigenen Beruhigung mit großer Häufigkeit "erledigt" wird. Deshalb wird der Wert dieses Sakraments leider oft verkannt.

Nimmt man sich aus eigenem Antrieb etwas Zeit, ehrlich zu reflektieren, kann man oft leicht feststellen, wann man selbst ein schlechtes Gefühl hatte bei dem, was man gesagt, getan oder nicht getan hat. Dieses innere Gespür ist ein guter Wegweiser zu den fehlerhaften Verhaltensweisen, mit denen man sein Gewissen und damit die Beziehung zu Gott belastet. Das eigene Eingestehen kann erstmal schmerzhaft sein, die Bibel verwendet dafür mehrmals das Wort "zerknirscht". Wenn man dies in einem geschützten Beichtgespräch ohne Druck in Worte fassen kann, dabei nicht nur aufzählt, sondern die Einsicht und ehrliche Reue konkret ausdrückt ("Ich will umkehren!" s.o.), bereinigt das nicht nur die Beziehung zu Gott, sondern kann zu einer großen Befreiung und inneren Klarheit führen. Es gibt zahlreiche Beispiele von wunderbaren Erlebnissen in Folge von Beichten aus den Lebensberichten bekannter Heiliger ebenso wie aus Erzählungen gewöhnlicher Menschen aus der Gegenwart. Ich selbst habe das erlebt. Ich habe auch die Ergriffenheit von Nicht-Katholiken nach Beichtgesprächen (ohne die so genannte Lossprechung) miterlebt. Ich habe Tränen der Erleichterung gesehen, wenn Gläubige das erste Mal (wieder) gebeichtet haben.


Die Erfahrungen rund um die Beichte sind auf meinem Glaubensweg unter denen, die mich am meisten geprägt und bestärkt haben. Sie waren für mich der Schlüssel, um eine Ahnung von der Bedeutung von Sakramenten zu bekommen.

Ich bin davon überzeugt, dass die persönliche und konkrete Versöhnung mit Gott immens wertvoll und keine fromme Pflichtübung ist. Wer die Güte Gottes und seine Vergebung im eigenen Leben erfahren hat, wird auch selbst gütiger, drückt öfter mal ein Auge zu und das Vergeben fällt leichter, selbst siebenmal hintereinander.



Sehr großer Radiergummi für sehr große Fehler Big Mistakes

 
 
 

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