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LUXURIA (Wollust) - Die 7 Todsünden

  • Saskia
  • 3. Okt. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Nov. 2025

Skizze Gesicht Luxuria Wollust Ausschweifung Gier

Vergiss es nie: Dass du lebst, war keine eigene Idee, und dass du atmest, kein Entschluss von dir.

Vergiss es nie: Dass du lebst, war eines anderen Idee, und dass du atmest, sein Geschenk an dich.

Vergiss es nie: Niemand denkt und fühlt und handelt so wie du, und niemand lächelt, so wie du es gerade tust.


Diese Zeilen aus dem Lied „Du bist Du“ von Jürgen Werth werden häufig bei Kindertaufen gesungen. Das Lied fordert dazu auf, sich immer bewusst zu sein, dass Gott dich genau so wollte, wie du bist: mit diesen Gedanken, diesen Empfindungen und diesem Aussehen. Die Worte machen auf die Einheit des Menschen aus Geist, Seele und Körper aufmerksam. Es bringt die Würde zum Ausdruck, die Gott jedem einzelnen Menschen schenkt.


Zur Weitergabe des Lebens hat Gott die Sexualität erschaffen. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“, sprach Gott, bevor er eine Frau für Adam schuf (Gen 2, 18). So formulierte Gott bereits bei der Schöpfung das tiefste Sehnen des Menschen nach Verbundenheit mit einem anderen Menschen. Intensive Gefühle, Berührungen der Seele und Lust, die Einheit auch körperlich zu spüren, sich einander hinzugeben, ergänzen sich zu einem wunderbaren Geschehen zwischen zwei Menschen.


Die Wollust, um die es bei der Todsünde LUXURIA geht, meint die sexuelle Gier, die sich ausschließlich auf das körperliche Verlangen bezieht. Sinnlichkeit und die Seele der anderen Person spielen dabei keine Rolle. Die Wollust zielt nur auf den eigenen Lustgewinn.


Wollust ist heute im öffentlichen Raum überall präsent. Wie eine Ware wird Sex angepriesen, steht scheinbar für Freiheit, Selbstbestimmung, Gesundheit und Jugend. ‚Liebe machen‘ ist als Begriff seit vielen Jahrzehnten geläufig, genauso wie die Frage in einem alten Schlager ‚Kann denn Liebe Sünde sein?‘.

Dennoch stehen viele Menschen der Schamlosigkeit, Zügellosigkeit und Grenzenlosigkeit ablehnend gegenüber und leben treu in Partnerschaften oder enthaltsam. Für manche spielen dabei religiöse Gründe eine Rolle, für andere eher gesellschaftliche, moralische oder einfach das Gespür, die eigene Würde zu schützen.


Die Bibel enthält keine explizite Sexualmoral 


Sex ist im Alten Testament ein natürliches und selbstverständliches Thema in vielen Facetten: von der Fortpflanzung bei Adam und Eva (Gen 4, 1), über Vergewaltigung in Sodom (Gen 19, 5-8), Liebe auf den ersten Blick zwischen Jakob und Rahel (Gen 29, 11-14), Verführungsversuche an Josef durch die Frau des Pharaos (Gen 39, 7), die Verkupplung von Tobias und Sara durch den Engel Raphael (Tob 6, 16-19) bis zur erotischen Bildsprache im Hohelied. Viele weitere Stellen sprechen ganz unverkrampft über Sexualität.


Auch Jesus verurteilt im Neuen Testament niemanden wegen seines Sexuallebens. Maria Magdalena, seine enge Begleiterin, die bei seiner Kreuzigung bei ihm blieb und der er nach seiner Auferstehung zuerst erschien, war vermutlich zuvor eine Prostituierte. Das Johannesevangelium erzählt von einer Begegnung am Jakobsbrunnen zwischen Jesus und einer Frau. Jesus äußert seinen Durst und bittet sie um etwas zu trinken. Im folgenden Gespräch sagt Jesus der Frau, dass er weiß, dass sie bereits mit dem sechsten Mann zusammen ist, aber auch dieser nicht ihr Mann ist. Jesus verspricht der Frau, dass Gott ihr lebendiges Wasser geben kann, durch das sie niemals mehr Durst haben wird (Joh 4, 1-26). Jesus erkennt den Durst der Frau nach wahrer Liebe, den all die Partner nicht stillen können. Gleichzeitig zeigt Jesus ihr seine Wertschätzung und sein Zutrauen, indem er sie um das Stillen seines eigenen, anderen Durstes bittet.


Aus dieser Erzählung können wir einen Grund erkennen, warum Menschen sich auf wechselnde sexuelle Kontakte einlassen: der Durst nach Liebe.


Jeder Mensch sehnt sich nach Zuwendung


In einfachster Form ist Zuwendung eine Art von Kenntnisnahme unserer Existenz durch andere. Wir wünschen uns positive Zuwendung in Form von Lächeln, Ermutigung, einer Umarmung oder anderer Gesten, die uns sagen: ich mag dich! Es gibt jedoch auch negative Zuwendung in Form von Tadel, Beleidigungen oder Gewalt. Beide Arten können jeweils mit Bedingungen verknüpft sein: Ich mag dich, wenn du mich streichelst. Ich mag dich nicht, wenn du so zurückhaltend bist.


Bedingungslose positive Zuwendung geschieht leider selten. Doch selbst negative Zuwendung ist besser als gar keine – denn übersehen und behandelt zu werden, als wäre man Luft, lässt die Seele verhungern. Darum suchen manche Menschen in körperlichen Begegnungen nach irgendeiner Art von Zuwendung, auch wenn sie unpersönlich oder sogar negativ ist. Sie möchten ihren Durst nach Nähe stillen und bekommen einen Rausch, etwas Spaß und ein kurzes gutes Gefühl. Doch wie beim Alkohol folgt ein Kater: Scham, Leere, manchmal sogar Ekel und Selbsthass. Sexualität betrifft die eigene Würde, die durch gegenseitiges Ausnutzen zur egoistischen Befriedigung beschmutzt wird.


Sexualität und Kirche


Da die Sehnsucht nach Zuwendung und der Geschlechtstrieb so stark in nahezu allen Menschen vorhanden sind, kann das Thema enorme Kraft entfalten. Insbesondere Augustinus und Thomas von Aquin etablierten eine strenge Sexualmoral, die über lange Zeit die beste Garantie für Schuldgefühle war, und Gläubige zur Beichte zog. Über Jahrhunderte galt sexuelles Fehlverhalten als die schwerwiegendste aller Sünden. Noch heute zeigt sich: kein Finanzskandal, keine Lüge, kein Machtmissbrauch empört die Öffentlichkeit so sehr wie sexuelle Vergehen.


Zugleich ist das Thema mehr als jedes andere Gegenstand von Fantasien, Gerüchten und Verleumdung. Sexuelle Triebe scheinen für manche Menschen als Grund für ihre Beobachtungen bei Mitmenschen stets nahezuliegen. Viele können sich das Gelingen eines bewusst enthaltsamen Lebens – sei es durch Zölibat oder persönliche Entscheidung – kaum vorstellen. Katholischen Priestern werden ständig Verhältnisse mit Mitarbeiterinnen oder Haushälterinnen angedichtet, sogar Schwangerschaften erfunden, oder homosexuelle Freundschaften unterstellt. Dass auch durch solche Lügen und Unterstellungen die Würde eines Menschen verletzt wird, sowohl eines Priesters als auch der anderen verleumdeten Person, ist vielen nicht bewusst.

 

Was macht Wollust zur todbringenden Sünde?


Selbst bei freiwilligen sexuellen Kontakten zwischen erwachsenen Menschen, kann die Wollust ohne Liebe bei den Beteiligten tiefe Wunden in der Seele hinterlassen. Wenn dabei ein Partner oder eine Partnerin betrogen wird, entstehen Verletzungen durch den der Vertrauensbruch, die oft nicht mehr heilbar sind. Besonders schwerwiegend sind die Folgen, wenn aus einer unverbindlichen Begegnung neues Leben entsteht und dieses nicht angenommen wird. Die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch tötet nicht nur den entstehenden Menschen, sondern hinterlässt oft auch bei den Betroffenen selbst tiefe Spuren.


Großen Schaden kann auch ein einseitig herbeigeführter wollüstiger Übergriff anrichten, der einen anderen Menschen wie ein wertloses Objekt behandelt. Rücksichtslos, schamlos und unkontrolliert missbrauchen manche Menschen andere zu ihrer Triebbefriedigung, entwürdigen und erniedrigen auf diese Weise ein anderes Wesen.

Besonders zerstörerisch wirkt sich dies aus, wenn Erwachsene ihre Macht über Kinder oder Schutzbefohlene missbrauchen. Leider ist dies in allen Bereichen der Gesellschaft Realität – in Familien, Einrichtungen, Vereinen und bekanntermaßen auch in Kirchen. Solche Taten fügen nicht nur körperlichen, sondern auch seelischen Schaden zu, der ein ganzes Leben belasten kann.

 

Die Tugend, die der LUXURIA gegenübersteht, ist die Keuschheit


Keuschheit ist die unpopulärste unter den christlichen Tugenden. Sie wird oft missverstanden als bloße Verdrängung sexueller Bedürfnisse. Doch es geht nicht um Unterdrückung, sondern um den verantwortungsvollen Umgang damit: sich der eigenen Würde und der Würde des anderen bewusst zu sein.

Keuschheit bedeutet, nicht alles auszuleben. Ein keuscher Mensch kann abwarten, lässt sich Zeit und baut zuerst eine Verbindung zu Geist und Seele des anderen auf. Erst wenn die Seelen sich erkennen, folgt die körperliche Annäherung rücksichtsvoll, zart, ehrfürchtig und behutsam. Auch Treue in der Partnerschaft gehört zur Keuschheit. In diesem Rahmen ist Sexualität frei von Sünde.


Besonders schön zeigt sich eine solche Haltung in dem Gebet, das Tobias und Sara im Buch Tobit vor ihrer ersten gemeinsamen Nacht an Gott richten: ‚Du sprachst: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, schaffen wir ihm eine Hilfe, ihm gleich! Und jetzt nehme ich diese meine Schwester nicht in Unzucht zur Frau, sondern in wahrer Liebe. Befiehl, dass wir Erbarmen finden und gemeinsam alt werden! Und sie sprachen miteinander: Amen, amen.' (Tob 8, 6-8).


Angefangen hat diese Reihe mit der Frage nach meiner eigenen Tugendhaftigkeit. Deshalb will ich bei jeder der sieben Todsünden zuerst bei mir selbst hinschauen. Heute also: Wie steht es um meine Keuschheit?


Als ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe, war ich mir sicher: in sexueller Hinsicht lebe ich absolut keusch. Aber dann stieß ich auf eine Definition, die mich nachdenklich gemacht hat: Unkeuschheit kann allgemein bedeuten, dass man aus einer Leidenschaft heraus die Verwundbarkeit eines anderen Menschen missachtet und ihn dadurch demütigt und einschüchtert.


Ohne Zweifel habe ich in meinem leidenschaftlichen Wahrheits-Eifer schon Worte wie Waffen gebraucht. Ich habe andere bloßgestellt, verletzt und ihre Würde missachtet. In solchen Momenten war ich weit entfernt von einem keuschen Umgang – respektvoll, zart, ehrfürchtig und behutsam.


Darum weiß ich: ich darf mich der Keuschheit nicht rühmen. Das erschreckt mich selbst ein wenig, motiviert mich aber, darauf zu achten, nicht jedem eifernden Drang nachzugeben, sei es auch nur in Form von Worten.


Und du? Wie gehst du mit deiner eigenen Würde und der Würde anderer um?


Statue Paar am Meer mit Blumen

 
 
 

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