Es beginnt mit dem ersten Schritt – Auf nach Rom (Teil 1)
- 11. Jan. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. März

Und es geschah, als die Engel von ihnen in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat! So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.
(Lukas 2,15–19)
Ein Heiliges Jahr – Und ich mache mich auf den Weg nach Rom
2025 ist ein Heiliges Jahr. Ein Jubiläum, das die katholische Kirche in regelmäßigen Abständen feiert – mit geöffneten Heiligen Pforten in den vier großen Papstbasiliken Roms.
Millionen Menschen werden sich in diesem Jahr dorthin auf den Weg machen. Und ich werde eine davon sein.
Warum?
Aufbrechen gehört zum Christsein
Wer reist, verlässt seinen Alltag. Man nimmt Abstand, sieht anders, erlebt mit allen Sinnen, was Bilder nur andeuten können. Unterwegs muss man sich neu orientieren, vertraute Sicherheiten zurücklassen und aushalten, nicht alles zu kontrollieren.
Wenn eine Reise einem Menschen gilt, bekommt sie eine andere Tiefe. Man macht sich auf den Weg, weil man jemandem begegnen möchte.
Gehört dieses Aufbrechen nicht schon immer zum Christsein?
Schon in den ersten biblischen Geschichten gehen Menschen los: die Hirten zur Krippe, die Sterndeuter aus der Ferne. Jesus selbst bleibt nicht an einem Ort. Er ruft: „Komm“, „Folge mir“. Und nennt sich selbst den Weg.
Glaube ist für mich deshalb Bewegung. Ein Sich-auf-den-Weg-Machen – auch dann, wenn man noch nicht weiß, wohin er genau führt.
Nähe zum Ursprung suchen
An erster Stelle steht für mich der Wunsch, diesem „Komm!“ zu folgen. Wie die Hirten möchte ich hingehen, sehen, hören, staunen – und das, was ich wahrnehme, in meinem Herzen bewegen.
In Rom, besonders in den vier großen Basiliken, ist die frühe Geschichte des Christentums greifbar. In Architektur, Bildern und jahrhundertealten Spuren von Glauben.
Ich möchte mich diesen Orten aussetzen – nicht, um Beweise zu finden, sondern um wahrzunehmen, was sie erzählen.
Vielleicht bekomme ich so eine Ahnung vom Ursprung.
Trotz allem – Warum ich gehe
Eine weitere Motivation ist sehr persönlich.
An dem Tag, an dem ich die vier Heiligen Pforten durchschreiten möchte, jährt sich für mich ein schmerzhafter Einschnitt im Zusammenhang mit kirchlichen Erfahrungen. Vor einem Jahr ist etwas zerbrochen – Vertrauen, Verbindung, innere Sicherheit.
Seitdem habe ich viel nachgedacht. Über Verantwortung. Über Wahrheit. Über das, was Kirche ist – und was sie nicht ist. Nach Rom zu gehen, ist Ausdruck einer Entscheidung: trotz allem an Gott festzuhalten – und mich nicht von ihm abzuwenden, auch wenn Menschen verletzen.
Wenn Türen zugeschlagen werden und Gespräche verstummen, gibt es dann noch einen Ausweg?
Die Heiligen Türen verstehe ich in diesem Zusammenhang als geöffnete Türen zu Gott. Ich möchte meinen Blick weg von mir – von meinem Schmerz – hin auf das Wesentliche richten. Vielleicht liegt in dem verbindenden Blick auf Jesus mit den geöffneten Armen ein Ausweg zu Heilung und Frieden.
Offene Türen
Ich möchte als eine von Millionen Gläubigen aus aller Welt durch diese Türen gehen. Jede und jeder bringt eine eigene Geschichte mit – Hoffnung, Zweifel, Brüche.
Mich berührt der Gedanke, dass wir trotz aller Unterschiede auf dasselbe Ziel ausgerichtet sind. Nicht auf eine Institution, sondern auf Gott. Die Heiligen Türen verstehe ich als ein Zeichen: Der Weg zu Gott steht ausnahmslos allen offen. Nicht, weil wir es verdient hätten, sondern weil er uns einlädt.
Auch ich gehe hindurch – mit meiner Geschichte. Und mit dem Wissen, dass ich nicht allein unterwegs bin.
Für mich ist das Durchschreiten der Pforten auch eine Erinnerung daran, nicht selbst Richterin zu sein. Weder über andere noch über mich. Ich möchte das, was zerbrochen ist, Gottes Gerechtigkeit überlassen. Und darauf vertrauen, dass Vergebung größer sein kann als menschliches Versagen.
Wenn ich durch diese Türen gehe, dann in Dankbarkeit – und mit dem Wunsch, dass mein Leben etwas von dieser Hoffnung ausstrahlt.
Pilger der Hoffnung
Das Heilige Jahr 2025 steht unter dem Motto „Pilger der Hoffnung“.
Der Begriff Hoffnung war für mich lange eher blass. In der Vorbereitung auf diese Reise hat er für mich an Gewicht gewonnen. Hoffnung nicht als Optimismus, sondern als Vertrauen – auch dann, wenn vieles offen bleibt.
Seit Weihnachten bereite ich mich innerlich auf den Weg vor. Mit Gebet, mit Fragen, mit bewusster Entscheidung.
Ich reise allein. Um Zeit zu haben. Und um wahrnehmen zu können, was zwischen den Stationen geschieht.
Der Weg
Auf dem Weg nach Rom werde ich an einigen Orten Halt machen – an Kirchen und Bergen, die mir persönlich viel bedeuten.
Doch wichtiger als jede Station ist für mich der Weg selbst: die Fahrt durch Landschaften, das Unterwegssein, das Ankommen und das Weitergehen.
Pilgern beginnt nicht erst an der Heiligen Pforte. Es beginnt mit dem ersten Schritt.

Ob sich meine Erwartungen erfüllt haben, erzähle ich in einem anderen Artikel.



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