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Gebt Acht, dass man euch nicht in die Irre führt

  • 13. Nov. 2024
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Feb.


Partielle Mondfinsternis mit hell und dunkel schattiertem Mond vor schwarzem Nachthimmel

Dann wird man den Menschensohn in einer Wolke kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.


(Lukas 21,2728)


In den vergangenen Jahren habe ich viele Predigten gehört. Über Liebe, Vergebung, Nachfolge, Hoffnung.


Über die Wiederkunft Christi hingegen nur selten.


Dabei gehört sie selbstverständlich zum christlichen Glauben. Wir sprechen sie im Glaubensbekenntnis, wir beten sie in jeder Eucharistie: „bis du kommst in Herrlichkeit“.


Und doch scheint dieses Thema viele zu verunsichern.


Wer sich mit dem „Ende der Zeiten“ beschäftigt, stößt schnell auf eine Vielzahl von Stimmen. Manche deuten aktuelle Ereignisse als eindeutige Zeichen. Andere berufen sich auf Visionen, Privatoffenbarungen oder besondere Erkenntnisse. Die Spannbreite ist groß – und nicht jede Gewissheit wirkt auf mich vertrauenswürdig.


Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mich weniger die Frage nach dem Zeitpunkt beschäftigt als die Frage nach den Folgen solcher Gewissheiten.


Was geschieht, wenn jemand überzeugt ist, im Besitz eines besonderen Wissens zu sein?

Was geschieht mit Verantwortung, mit Beziehungen, mit gegebenen Worten?


Ich habe erlebt, wie religiöse Überzeugungen plötzlich alles relativieren konnten. Entscheidungen wurden mit einem höheren Auftrag begründet. Rücksicht erschien zweitrangig. Und ich habe mich gefragt: Kann das der Geist sein, von dem Jesus spricht?


Jesus warnt nicht davor, zu wenig zu wissen. Er warnt davor, sich irreführen zu lassen.

„Gebt Acht, dass man euch nicht in die Irre führt.“ (Lk 21,8)


Für mich ist seither klarer geworden: Wachsamkeit bedeutet nicht, Zeichen zu deuten. Wachsamkeit bedeutet, in der Liebe zu bleiben. Vielleicht leben wir in bewegten Zeiten. Vielleicht auch nicht. Den Zeitpunkt kenne ich nicht – und ich muss ihn nicht kennen.


Mein Leben findet jetzt statt. Verantwortung lässt sich nicht auf eine spätere Epoche verschieben. Beziehungen verlieren nicht ihre Bedeutung, weil jemand sich berufen fühlt.


Keine Privatoffenbarung, keine Vision, keine besondere Gewissheit entbindet mich von der Nächstenliebe.


Ich weiß nicht, wann Christus kommt.


Aber ich weiß, dass ich heute lieben kann. Heute vergeben. Heute treu sein. Das genügt.


Und vielleicht ist genau das die Haltung, die Jesus meint, wenn er sagt:

„Richtet euch auf und erhebt eure Häupter.“


Ratschlag des Predigers Kohelet (11,45):


Wer ständig nach dem Wind schaut, kommt nicht zum Säen, wer ständig die Wolken beobachtet, kommt nicht zum Ernten. Wie du den Weg des Windes ebenso wenig wie das Werden des Kindes im Leib der Schwangeren erkennen kannst, so kannst du auch das Tun Gottes nicht erkennen, der alles tut.



Grüne Halme im Wind vor blauem Himmel mit weißen Wolken


 
 
 

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