Wenn dies beginnt (Lk 21, 28)
- Saskia
- 13. Nov. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Jan. 2025

Dann wird man den Menschensohn in einer Wolke kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.
(Lukas 21, 27-28)
In den vergangenen fünf Jahren habe ich hunderte Predigten an verschiedenen Orten von unterschiedlichsten Personen gehört. Ich kann mich dabei nur an eine einzige Predigt erinnern, in der es um das Wiederkommen Christi ging und diese war sehr abstrakt und kurz.
Obwohl in fast allen Texten des Neuen Testaments von der Wiederkunft Christi geschrieben steht, es im Glaubensbekenntnis verankert ist ("von dort wird er kommen"), in jeder Eucharistiefeier als 'Geheimnis des Glaubens' gebetet wird ("bis du kommst in Herrlichkeit"), scheint das Thema in Predigten gemieden zu werden. Woran liegt das?
Seit 2.000 Jahren warten Gläubige darauf, dass Jesus sichtbar zurück auf die Erde kommt, wie er es laut Evangelien angekündigt hat und es besonders eindrucksvoll in der Offenbarung des Johannes, auch Apokalypse genannt, beschrieben wird. Die Bibel endet mit der Bitte "Komm, Herr Jesus!". Ein neuer Himmel und eine neue Erde, Frieden und Heilung sind die Versprechen, der endgültige Sieg Gottes über das Böse. Was für eine Hoffnung! Ein Neuanfang für diese von Katastrophen und Kriegen, Selbstsucht und Zerstörung geplagte Welt. Wer würde sich nicht wünschen, dies miterleben zu dürfen! Doch zahlreiche Christen wissen davon gar nichts.
Sucht man Informationen zu dem Thema Zeitenwende, wird man mit sehr, sehr unterschiedlichen Sicht- und Denkweisen, Glaubensinhalten und Schwerpunkten bedient. Esoteriker, Astrologen, Nahtod-Erfahrene, Sekten, diverse Endzeit-Apostel-Gruppierungen, mehr oder weniger wundersüchtige christliche Strömungen, angebliche Propheten, behauptete Erscheinungen und Visionen, Erzengel-Medien, Auslegungen überlieferter Äußerungen unterschiedlichster Heiliger, Interpretationen von den Mayas bis Nostradamus, Gestalten aus allen Zeiten und Kulturen bieten Aussagen zum Ende der alten Welt und Beginn einer neuen Welt. Man liest von der erwarteten Entrückung von Gemeinden in den Himmel, Abholung Auserwählter von Ufos, Telepathie, Allwissenheit, Fluchtburgen, Strafgericht, Erhöhung von Schwingungen, Papstflucht, Eröffnung neuer Dimensionen, Zahlencodes, Polsprung, dreitägiger Dunkelheit, Solarevent und vielem mehr.
Autoren einiger Bücher haken detailliert ab, welche Prophezeiungen aus der Bibel und diverser (angeblicher) Visionäre bereits eingetroffen seien und versuchen so zu belegen - teils in umfangreichen Tabellen, Schaubildern und Zeitleisten - wie nah wir dem Ende der Welt seien. Bibelstellen und tatsächliche Ereignisse werden dabei höchst unterschiedlich in Zusammenhang gebracht und gedeutet. Nicht eingetroffene Prophezeiungen von Sehern vergangener Jahrzehnte werden oft mit erhörten Gebeten um Aufschub erklärt. In anderen Kreisen werden körperliche Symptome wie Ohrengeräusche, Herzstolpern und nächtliches Erwachen beobachtet, die als Aufstiegssymptome für ein Upgrade in eine neue Dimension verstanden werden. DNA-Reinigung und kosmische Urkräfte sollen die Energie des Lichtkörpers erhöhen und auf ein goldenes Zeitalter vorbereiten.
Langer Rede kurzer Sinn: Das Feld ist weit, phantasiereich und verworren.
Liegt es an der Vereinnahmung durch die teils fragwürdigen und extremen Gruppierungen, dass katholische Pfarrer die große Hoffnung des christlichen Glaubens in den Gemeinden selten verbreiten? Kann nicht gerade in der aktuellen Zeit eine unaufgeregte und nüchterne Betrachtung der Verheißungen wirken, stärken und trösten?
Nach all den vielen Quellen und Informationen, die ich so vorurteilsfrei wie möglich versucht habe nachzuvollziehen und einzuordnen, habe ich für mich meine eigenen Schlüsse gezogen:
Mein Körper ist in unserer derzeitigen Welt endlich. Deiner auch. Alle. Das steht fest. Keine Neuigkeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass meinem irdischen Tod Leid vorausgeht, ist groß. Die Wunschvorstellung, in hohem Alter gesund und sorglos einzuschlafen und einfach nicht wieder aufzuwachen, trifft selten ein. Das wird übrigens auch an keiner Stelle von Gott versprochen, sondern ist ein rein menschliches Ideal. In der Nachfolge Jesu liegt es nahe, Leiden vor dem Tod zu erwarten.
Im Zeitpunkt meines letzten Atemzuges kann ich nichts mehr ändern. Wenn ich etwas anders machen oder in Ordnung bringen möchte, muss ich es jetzt tun, da es in jedem Moment zu spät sein kann. So sagt es auch Jesus viele Male: seid wachsam, seid bereit! Mein Leben findet jetzt statt. Auch das ist nichts Neues.
Gott hat einen unvorstellbar schönen Neuanfang versprochen, den Menschen selbst nicht herbeiführen können. Vorher werden die Menschen leiden und tun es bereits seit langem. Die Bibel verwendet den Begriff 'Wehen' für die leidbringenden Ereignisse und so ist es für mich auch schlüssig: vor einer Geburt müssen Mutter und Kind durch die Zeit der Wehen. Gebete, diese mögen ausbleiben, gemildert werden oder später beginnen, würden bei Erhörung die Geburt behindern und das Leben des Kindes gefährden. Wehen sind alles andere als angenehm, doch das neue Leben ist jede einzelne Wehe wert.
Gott macht sehr deutlich, dass die Menschen den Zeitpunkt nicht zu wissen brauchen. Es geht gerade darum, jederzeit bereit zu sein und Gottes Vorsehung zu vertrauen ohne konkretes Wissen. Mutmaßungen über die Zuordnung biblischer Bilder zu eingetretenen Ereignissen sind für mich ebenso irrelevant wie Behauptungen über Botschaften aus subjektiv empfundenen Erscheinungen, Eindrücke aus Berichten von Nahtoderfahrungen, Visionen, Deutungen verschlüsselter Prophezeiungen, gefühlte Bewusstseinserhöhungen oder ähnliche persönliche Einschätzungen anderer. Ich vertraue ganz allein auf meine eigene Wahrnehmung und Erfahrung. Was ich wissen soll, lässt Gott mich wissen.
Niemand, absolut keiner kennt die umfassende Wahrheit des allmächtigen Schöpfers. ER ist der ewige Herrscher über alles. Er hat die Welt erschaffen und jeden einzelnen Menschen geformt. Kein Astrologe, kein Hellsichtiger, kein Wissenschaftler, kein Mystiker, kein Priester, kein Realist, niemand kann die Zukunft betreffend mehr oder weniger Recht haben als ein anderer. Keinem steht es zu, zu beurteilen, was ein anderer erfährt. Urteilsvermögen (Weisheit) ist jedoch wichtig, um kluge Entscheidungen für die eigene Zukunft zu treffen.
Bei jeder Quelle und Richtung bin ich auf irgendeine Aussage gestoßen, die mit meiner ganz persönlichen Wahrnehmung übereinstimmt und Resonanz in mir erzeugt hat. Alle verschiedenen Ausprägungen scheinen dasselbe ausdrücken zu wollen. Es verbreitet sich ein Gespür dafür, dass eine große Veränderung bevorstehen könnte. Menschen zwängen etwas viel Höheres mit ihrem begrenzten Verstand in menschliche Illusionen, mit Hilfe derer sie bewusst oder unbewusst versuchen, Kontrolle zu behalten.
Ja, ich glaube daran, dass Jesus Christus wiederkommen und die Welt aus ihrem zerstörten Zustand befreien wird. Ich hoffe und wünsche mir, dass ich das miterleben darf, so wie seit Jahrhunderten Millionen Menschen vor mir das gehofft haben. Und unbestreitbar ist: wir sind näher dran als alle anderen vor uns.
Wie bereite ich mich darauf vor? Mit beständiger Verbindung zu Gott, einem möglichst reinen Gewissen und dem Blick in die Bibel. Dort ist genannt, was wichtig ist. An allererster Stelle steht bei den drei Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Ich folge also niemandem, der behauptet, mehr zu wissen als andere, und meint, den richtigen Weg zu kennen. Weitere Empfehlungen sind: lasst euch nicht erschrecken, sorgt nicht im Voraus für eure Verteidigung, bleibt standhaft, richtet euch auf und erhebt eure Häupter. Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren. Wacht und betet allezeit. Glaubt nicht den falschen Propheten. Seid wachsam. Alles auf der Grundlage des wichtigsten Gebotes: Liebe! Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe.
Was hat sich also geändert durch die zahlreichen Bücher und Berichte, die ich über all das gelesen und angehört habe? Nichts! ...außer einer tiefen inneren Ruhe und Zuversicht, dass das Geschehen in der Welt Gottes Plan folgt, dass er zur richtigen Zeit eingreifen wird und ich gelassen und ohne Furcht hoffen darf, Jesus kommen zu sehen mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Diese Ruhe und Hoffnung wünsche ich allen, die mit Sorge und Angst auf die Katastrophen der Welt blicken, besonders denen, die die frohe Botschaft verkündigen.
Ratschlag des Predigers Kohelet (11, 4-5):
Wer ständig nach dem Wind schaut, kommt nicht zum Säen, wer ständig die Wolken beobachtet, kommt nicht zum Ernten. Wie du den Weg des Windes ebenso wenig wie das Werden des Kindes im Leib der Schwangeren erkennen kannst, so kannst du auch das Tun Gottes nicht erkennen, der alles tut.




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