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Zwei kleine Münzen (Mk 12, 41-44)

  • Saskia
  • 2. Juni 2025
  • 3 Min. Lesezeit

zwei kleine Münzen

Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles hergegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.


(Markus 12, 41-44)


"Das ist doch nicht der Rede wert!"

Dieser Satz wird häufig verwendet, wenn jemand Dank oder Lob empfängt, jedoch selbst bescheiden sein Tun oder seine Gabe als wenig bedeutend einschätzt. Es scheint dem Geber so belanglos, dass es noch nicht einmal wert ist, erwähnt zu werden, kein Wort wert. Oder der Satz findet Verwendung, wenn jemand um Verzeihung bittet und das Gegenüber deutlich machen möchte, dass er dem Vorfall keine große Bedeutung zumisst.


Der Ausdruck "nicht wert" setzt eine Bewertung voraus, die immer subjektiv ist. Eine Seite möchte vielleicht gerne Dank oder Lob aussprechen, weil sie eine positive Einwirkung erfahren hat, die sie nicht für selbstverständlich hält. Sie möchte aufrichtig ihre Freude und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Die Erfahrung ist für sie wertvoll. Die andere Seite schätzt es möglicherweise anders ein. Vielleicht hat es keinen Einsatz gekostet, dem ein erwähnenswertes Gewicht beigemessen wird wie Zeit, Energie oder Geld. Vielleicht war es eine Gabe aus dem eigenen Überfluss.


Die Gabe der zwei kleinen Münzen der Witwe war Jesus der Rede wert. Er rief seine Jünger zu sich und sprach mit ihnen darüber. Diese Rede war es wiederum dem Evangelisten Markus wert, aufgeschrieben zu werden, so dass diese Rede bis heute als Gottes Wort überliefert wird. Vielleicht hätte die Witwe selbst gesagt: "Das ist doch nicht der Rede wert." Hier geht es nicht um den Wert des Geldes, sondern um die Herzenshaltung und Selbstlosigkeit der armen Frau, die für Jesus bemerkenswert ist.


Das sind erfreuliche Beispiele dafür, was der Rede wert sein kann.


Aber wie ist es andersrum? Wie ist es, wenn ein Mensch als nicht der Rede wert erachtet wird? Wenn ein Mensch ignoriert, totgeschwiegen und ausgeblendet wird? Wenn er und das, was er in etwas "hineingeworfen" hat, kein Wort (mehr) wert ist?


Ghosting ist der Begriff für ein Phänomen, bei dem jemand einseitig ohne Vorwarnung, ohne Erklärung und ohne angemessene Verabschiedung abrupt den Kontakt zu einer anderen Person abbricht. Ghosting kommt in jeder Art von sozialen Verbindung vor, in Partnerschaften genauso wie innerhalb von Familien, in Freundschaften, im Berufsleben oder in Gemeinschaften wie Kirchengemeinden oder anderen Gruppierungen. Dieses respektlose Verhalten hat meistens den Hintergrund, dass der "Ghoster" eine für ihn emotional unangenehme Situation meidet. Eine egoistische oder egozentrische Persönlichkeitsstruktur, fehlende Empathie, die Unfähigkeit, die Bedürfnisse eines anderen wahrzunehmen, Angst, Scham, Überforderung und Unreife sind typische Merkmale für eine Person, die auf diese Weise Konflikten oder Kritik aus dem Weg geht.


Für den Betroffenen erzeugt eine solche Erfahrung nachhaltige Verunsicherung, einen tiefgreifenden Vertrauensverlust und je nach Vorgeschichte Verlustängste bis hin zu einer Traumatisierung. Betrifft das Totgeschwiegenwerden das berufliche Umfeld oder eine soziale Gemeinschaft, folgen nicht selten Isolation, Arbeitsunfähigkeit und daraus folgend existenzielle Krisen. Die Herabwürdigung, nach einer Zeit der vertrauensvollen Verbindung nicht einmal einiger Worte oder eines Abschieds wert zu sein, sogar durch Lügen verleugnet zu werden, schlägt eine tiefe und schwer heilende Verletzung. Es bleibt eine unabgeschlossene Situation großer Enttäuschung, da keine Klärung möglich ist, Fragen offen bleiben und Vergebung "ins Leere" sehr schwer ist. Man muss irgendwann einseitig abschließen, um das Erlebte loslassen zu können. Ghosting ist eine Form von psychischer Gewalt.


Es lohnt sich vielleicht, mal bewusst darauf zu achten: Wer oder was ist meiner Worte wert? Bin ich es möglicherweise nur selbst? Wer oder was ist für mich nicht der Rede wert? Wer nimmt sich an welcher Stelle das Recht, auf diese Weise einen Menschen oder seinen Einsatz zu bewerten? Was sagt es über die Person oder die Gemeinschaft selbst aus, die jemanden für keines Wortes mehr wert hält?


Im Vergleich kann man überlegen: Wer und was ist Jesus der Rede wert? Was hat für Jesus Bedeutung, was erachtet er als erwähnenswert? Was sagt das über Jesus und seine Botschaft aus? Was sagt das über Gott aus, den wir im Handeln und den Worten Jesu gezeigt bekommen? Glaubst du daran, dass Jesus all seine Reden auch für dich gesprochen hat? Jesus ist Gottes Wort, durch ihn spricht Gott zu den Menschen, heute genauso wie damals. Wir sind Gott dieses Wort, seinen Sohn wert. Wir alle sind der Rede wert. Kein Mensch kann uns unseren von Gott zugesprochenen Wert nehmen.


Anfang des Johannesevangeliums als Foto einer Bibel

 
 
 

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