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Wer anklopft, dem wird geöffnet – Vom fernen Gott zur Beziehung

  • 27. Sept. 2024
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. März


Eisenbahnschienen führen durch einen dunklen Tunnel ins Licht mit Grün im Hintergrund

Bittet und es wird euch gegeben;

sucht und ihr werdet finden;

klopft an und es wird euch geöffnet!

Denn wer bittet, der empfängt;

wer sucht, der findet;

und wer anklopft, dem wird geöffnet.


(Matthäus 7,78)



Irgendwo da oben


Ich war viele Jahre nicht in der Kirche, nicht mal an Weihnachten oder Ostern. Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten waren Anlässe, bei denen der kirchliche Teil irgendwie dazugehörte – als Pflicht, nicht als inneres Anliegen. Zuhause gebetet habe ich so gut wie nie. Eine eigene Bibel hatte ich nicht. Die Andenken an meine Erstkommunion und Firmung hatte ich in einen Schuhkarton gepackt und im Keller vergessen.

Und trotzdem habe ich damals gesagt, dass ich an Gott glaube. Ja, irgendwo da oben gab es sicherlich einen Gott, aber der hatte keinen Platz in meinem Leben.


Habe ich damals nur ein bisschen geglaubt?

Gibt es halben Glauben? Oder war das gar kein Glaube?

Glaube ich erst jetzt „richtig“?

Übertreibe ich es mittlerweile mit meinem Glauben und glaube zu viel?


Wenn Gott antwortet


Glaube war für mich damals wohl eher das Fürwahrhalten einer Vorstellung, die man nicht beweisen kann. Heute verstehe ich unter Glauben ein wechselseitiges Beziehungsgeschehen. Die Veränderung kam bei mir, als ich begann, täglich zu beten. Durch Kommunikation entsteht Verbindung. Es war mir damals unheimlich, als irgendwann auf meine Gebete Reaktionen kamen. Ohne es zu wissen, haben mir Menschen Antworten gegeben – auf Anliegen, die sie aus meinen Gebeten nicht kennen konnten. Einzelne Dinge sind eingetroffen, die ich als sehr unwahrscheinlich erlebt habe. Ich habe mich zu der Zeit aus Skepsis sogar näher mit psychologischen Phänomenen wie der Bestätigungsverzerrung und dem Barnum-Effekt beschäftigt, der etwa in Aussagen von Zeitungshoroskopen genutzt wird – und bei denen alles immer auf jeden irgendwie passt. Aber ich hatte irgendwann den Eindruck, dass Gott möglicherweise tatsächlich durch Menschen sprechen kann. So habe ich nach und nach versucht, aufmerksamer zu sein und Vertrauen zu entwickeln. Die Verbindung zu Gott ist so Schritt für Schritt gewachsen und tut es immer noch. Aus meiner Erfahrung heraus hat sich dieses Wort für mich bewahrheitet: Wer anklopft, dem wird geöffnet.


Der erste Schritt


Der wichtigste Schritt ist – wie bei jedem Weg – der erste. Auch wenn alles Weitere in Gottes Hände gelegt werden kann, braucht der erste Schritt eine Entscheidung des Menschen: Möchte ich mich auf eine Beziehung mit Gott einlassen?

Wer Gott kennenlernen möchte, kann anklopfen. Ich glaube: Gott wartet darauf – und er öffnet.


Kein Wettrennen


Jeder Glaubensweg, der dann folgt, ist individuell und so einzigartig wie der Mensch selbst. Gemeinsam ist ihnen, dass Glaube sich entwickelt. Aus meiner Sicht führt das unter Gläubigen zu viel Unverständnis und Konfliktpotenzial. Jeder steht woanders auf seinem Weg mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen, anderer Wahrnehmung und anderem Verständnis. Es zeigt sich oft die Gefahr, dass der Weg bedeutsamer wird als das Ziel. Es ist kein Wettrennen. Kein Schaulaufen. Keine Wunderjagd. Auch kann kein Navi die beste Route berechnen.


Mit Umwegen und Blasen


Ich vertraue darauf, dass Gott die Herzen kennt und die Wege lenkt. Ich gehe davon aus, dass Gott für jeden den passenden Weg zu ihm vorgezeichnet hat – und das nicht nach menschlichen Vorstellungen. Umwege und Blasen gehören dazu, aber ich glaube, es lohnt sich.



Frauenfuß mit offener Blase in Sandale, daneben Blasenpflaster






 
 
 

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