Wer anklopft, dem wird geöffnet (Mt 7, 7)
- Saskia
- 27. Sept. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Dez. 2024

Bittet und es wird euch gegeben;
sucht und ihr werdet finden;
klopft an und es wird euch geöffnet!
Denn wer bittet, der empfängt;
wer sucht, der findet;
und wer anklopft, dem wird geöffnet.
(Matthäus 7, 7-8)
Ich war viele Jahre lang nicht in der Kirche. Nicht mal an Weihnachten und auch nicht an Ostern. Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten waren Anlässe, bei denen der Teil in der Kirche meistens irgendwie dazu gehörte, aber eher als Pflichtprogramm, das mich inhaltlich kaum interessierte. Zuhause gebetet habe ich so gut wie nie. Eine eigene Bibel hatte ich nicht. Die Andenken an meine Erstkommunion und Firmung hatte ich in einen Schuhkarton gepackt und im Keller vergessen.
Und trotzdem habe ich damals gesagt, dass ich an Gott glaube. Ja, irgendwo da oben gab es schon einen Gott, aber der hatte keinen Platz in meinem Leben.
Habe ich damals nur ein bisschen geglaubt? Gibt es halben Glauben? Oder war das gar kein Glaube? Glaube ich erst jetzt "richtig"? Übertreibe ich es mittlerweile mit meinem Glauben und glaube zu viel?
Glaube war für mich damals wohl eher das Fürwahrhalten einer Vorstellung, die man nicht beweisen kann. Heute verstehe ich unter Glauben ein wechselseitiges Beziehungsgeschehen. Die Veränderung kam bei mir, als ich angefangen habe täglich zu beten. Durch Kommunikation entsteht Verbindung. Es war mir damals unheimlich, als irgendwann auf meine Gebete Reaktionen kamen. Ohne es zu wissen, haben mir Menschen, die meine Anliegen aus den Gebeten nicht kennen konnten, Antworten und eindeutige Hinweise gegeben. Es sind einzelne für mich gute Dinge eingetroffen, die sehr unwahrscheinlich waren. Ich habe mich zu der Zeit aus Skepsis sogar näher mit psychologischen Phänomenen wie der Bestätigungsverzerrung und dem Barnum-Effekt beschäftigt, der z.B. in Aussagen von Zeitungshoroskopen genutzt wird, bei denen alles immer auf jeden irgendwie passt. Aber ich habe irgendwann verstanden, dass Gott unter anderem durch andere Menschen sprechen kann. Wenn man aufmerksam zuhört, dann spürt man das manchmal. So habe ich langsam gelernt zu vertrauen und wahrzunehmen. Diese Verbindung ist Schritt für Schritt gewachsen und tut es immer noch. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen: wer anklopft, dem wird geöffnet.
Der wichtigste Schritt ist - wie bei jedem Weg - der erste Schritt. Auch wenn alle weiteren Schritte von Gott gelenkt werden und er allein die Geschwindigkeit bestimmen kann, ist der erste Schritt die freie Entscheidung des Menschen. Der Mensch muss sich entscheiden, ob er sich auf eine Beziehung mit Gott einlassen möchte oder sein Leben im Eigenwillen ohne Gott leben möchte. Das ist eine zwingende Entscheidung im Leben. Wenn ein Mensch Gott kennenlernen möchte, muss er anklopfen. Gott wartet darauf und öffnet.
Jeder Glaubensweg, der dann folgt, ist individuell und so einzigartig wie der Mensch selbst. Gemeinsam haben alle, dass der Glaube einer Entwicklung unterliegt. Aus meiner Sicht führt das unter Gläubigen zu viel Unverständnis und Konfliktpotenzial. Jeder steht woanders auf seinem Weg mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen, anderer Wahrnehmung und anderem Verständnis. Es zeigt sich oft die Gefahr, dass der Weg bedeutsamer wird als das Ziel. Es ist kein Wettrennen und kein Schaulaufen, keine Wunderjagd und keine Sensationenreise, kein Spiel und kein Kräftemessen. Auch kann kein Navi die beste Route berechnen. Es geht um das Näherkommen zu Gott, im Letzten um das Einswerden.
Gott allein sieht die Menschen, kennt die Herzen und lenkt die Wege. Ich gehe davon aus, dass Gott für jeden den passenden Weg zu ihm vorgezeichnet hat, und das nicht nach menschlichen Vorstellungen. Umwege und Blasen gehören dazu, aber es lohnt sich.




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