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Satt geworden (Joh 6, 26)

  • Saskia
  • 25. Nov. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Jan. 2025

Balzer Herrgott, in Baum eingewachsener Jesus Christus

Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird!


(Johannes 6, 26-27)



Wie viel ist dir genug?


Vielleicht denkst du bescheiden: ich bin dankbar für das, was ich habe. Klar, ein bisschen mehr wäre immer schön, aber eigentlich geht es mir schon gut. Das ist genug.


Die meisten Generationen vor uns verfolgten das Ziel, dass es ihren Nachkommen besser gehen sollte als ihnen selbst. Eine wirtschaftlich bessere Zukunft trieb sie an zu Fleiß und Innovationen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich dies jedoch geändert: die Zielsetzung unserer heutigen westlichen Gesellschaft ist, dass es den folgenden Generationen nicht schlechter gehen möge als uns heute.


Wir sind die ersten Menschen, die immer und immer mehr Energie und Ressourcen aufbringen müssen, um den Status quo zu erhalten. Es werden Bedürfnisse geschaffen und verkauft, nur damit es nicht abwärts geht. Mehr Lebensmittel in einer übergewichtigen Gesellschaft. Mehr Fahrzeuge auf überfüllten Straßen, Meeren und im Himmel. Mehr technische Geräte, die funktionierende Handys, Fernseher und Computer sinnlos zu Elektroschrott erklären. Mehr Mode, für die ungetragene Kleidung und Schuhe aus eitlen Gründen vernichtet werden. Die Liste des Überflusses lässt sich endlos weiterführen. Wachstum ist eine zentrale Forderung aller politischen Parteien, ohne dass konkret benannt wird, in welcher Branche Wachstum überhaupt noch sinnvoll ist. Dabei muss alles immer schneller werden: man darf den Anschluss nicht verlieren, die anderen dürfen die Innovationen nicht früher auf den Markt bringen, Effizienz zählt mehr als der Mensch. Das berühmte Höher-weiter-schneller bestimmt das allgemeine Handeln.


Der Preis des Steigerungszwangs ist enorm hoch: Ausbeutung von Menschen und Natur auf der ganzen Welt, Egoismus, Vernachlässigung zwischenmenschlicher Beziehungen einschließlich der Sorge um die eigenen Kinder, mehr psychische Erkrankungen, Fokussierung auf irdische Güter und damit verbunden Entfremdung von Gott und dem eigenen Selbst. Menschen rasen erschöpft durch ihr Leben auf der Jagd nach... ja, Jagd wonach eigentlich?


Nackt und hilflos kommen wir auf die Welt. Nackt und hilflos verlassen wir sie auch wieder. Die Zeit dazwischen wird uns zur Verfügung gestellt. Wir werden in ein Umfeld hineingeboren, erhalten für den Lebensweg Talente und Gaben, begegnen Menschen. Was machen wir daraus? Und was könnten wir daraus machen?


Ich will nicht mehr vorbeidüsen und liegenlassen. Ich will nicht mehr ständig alles optimieren und erneuern. Ich will nicht mehr schneller und mehr. Ich will mich nicht mehr benutzen lassen. Ich habe es satt. Ich höre auf.


Ich höre auf. Ich horche auf. Ich nehme wahr, was da ist. Was brauche ich tatsächlich? Was brauchen andere tatsächlich? Wofür lohnt es sich, meine Kraft, meine Zeit und mein Geld einzusetzen? Wovon habe ich genug? Was ist in diesem Moment wichtig? Was kann ich lassen?


Ich möchte mein Leben achtsam und präsent leben. Ich möchte zuhören, richtig hinhören. Ich möchte verstehen, was mein Gegenüber für eine Botschaft hat und warum. Ich möchte Situationen annehmen und bewusst durchleben. Ich möchte um Entschuldigung bitten, statt zu hoffen, dass Gras über die Sache wächst. Ich möchte mich Schmerz stellen, statt zu warten, dass die Zeit Wunden heilt. Ich möchte Verantwortung übernehmen, statt eines rücksichtslosen Nach-mir-die-Sintflut-Verhaltens. Ich möchte Umwege gehen statt Abkürzungen. Blicke erwidern, Worte aussprechen, mir nasse Füße holen. Ich möchte mit allen Sinnen entdecken: Was ist da noch in diesem Augenblick? Was ist dahinter? Was darunter? Was vielleicht verborgen?


Das oft angepriesene Leben im Hier und Jetzt wird so für mich ganz konkret. Ob im Alltag, bei der Arbeit, in der Natur, im Kontakt mit Menschen, im Gottesdienst und in der Stille, überall versuche ich vollkommen präsent zu sein, wahrzunehmen, anzunehmen und auf Gottes Spuren zu achten. So wird alles etwas langsamer, reduzierter, authentischer und tiefer. Ich staune immer wieder, wie viel MEHR im WENIGER steckt. Ganz von selbst öffnet sich in vielen Augenblicken das Herz und Freude verdrängt die Unruhe. Die tiefe Freude, die nichts zu tun hat mit oberflächlicher Freundlichkeit oder Albernheit, zieht Dankbarkeit und Demut nach sich. Innerer Frieden, somit Zufriedenheit entsteht, ganz unabhängig von Besitz, Leistung oder Macht. Sein statt haben. Das bedeutet auch Freiheit.


Vielleicht meinte Jesus genau das, als er seine Jünger tadelte, dass sie ihn aus den falschen Gründen suchten. Sie waren befriedigt durch das sättigende Brot, also irdische Gaben, achteten aber nicht auf das, was dahinter lag, nämlich den Geber. Gott wies durch das Zeichen der wundersamen Brotvermehrung auf das viel Größere hin, auf seine Liebe und Sorge, auf die sich alle Menschen verlassen können, die an Jesus Christus glauben.


Der Glaube an den liebenden und sorgenden Gott, dem ich vertrauen und auf den ich mich verlassen kann, ist das, was ich an folgende Generationen weitergeben möchte. Ein Glaube, der nährt. Jesus Christus als Brot des Lebens. Das ist für mich mehr als genug.


Heilige Familie mit Jesuskind auf Broten gebettet, Betlehem heißt Haus des Brotes

 
 
 

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