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Hätte ich aber die Liebe nicht (1 Kor 13, 2)

  • Saskia
  • 18. Sept. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Jan. 2025

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete,

hätte aber die Liebe nicht,

wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.


Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste

und alle Erkenntnisse hätte,

wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte,

hätte aber die Liebe nicht,

wäre ich nichts.


Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte

und wenn ich meinen Leib opferte, um mich zu rühmen,

hätte aber die Liebe nicht,

nützte es mir nichts.


(1 Korinther 13, 1-3)

Licht fällt durch eine Luke in die Zelle aus Holz von Bruder Klaus

Es war eine der ersten Fragen, die ich mir gestellt habe, als ich 2019 anfing, mich mit meinem Glauben auseinanderzusetzen: Wie soll man denn Liebe fühlen für einen Gott, der unsichtbar irgendwo da oben ist? Und klar, ich bin von Gott geliebt, wie jeder Mensch, aber spüre ich davon konkret irgendwas?

Die Aufforderung zur Nächstenliebe mit der Ergänzung "wie dich selbst" leuchtete mir ein, auch dass Gott die Liebe ist, fand ich eine nachvollziehbare Aussage. Aber eine Liebesbeziehung mit Gott war für mich doch sehr abstrakt.


Nun ist es bekanntlich bei der Liebe zwischen Menschen ("Eros") so, dass es nicht möglich ist, durch den eigenen Willen zu entscheiden, ob man jemanden liebt oder nicht. Liebe widerfährt einem. Könnte man dieses Gefühl einfach selbst an- und ausschalten, würden vermutlich viele Tränen nicht geweint werden. Nicht jede Liebe beginnt gleich: von Liebe auf den ersten Blick bis Liebe, die sich aus jahrzehntelanger Bekanntschaft entwickelt, gibt es Geschichten in unendlichen Variationen. Die Liebe, um die es im oben zitierten Korintherbrief aus der Bibel geht, ist die göttliche Liebe ("Agape"). Doch unterstelle ich, dass es sich mit ihr ganz ähnlich verhält. Der große Unterschied ist, dass sie von Gottes Seite immer und ausnahmslos angeboten wird. Es liegt beim Menschen, ob er sein Herz für eine mögliche Beziehung öffnet oder nicht.


Ich habe ziemlich bald auf meine Frage nach der Liebe nicht durch Nachdenken eine Antwort erhalten, sondern indem mir etwas widerfahren ist. Das Schwierige ist, dass ich nicht fähig bin, das Erlebnis in Worte zu fassen. Ich kann sagen, dass es nachts war, im Jahr 2020 vor dem Rosensonntag. Es war kein Traum. Es gab dabei ein sehr helles Licht wie ein Feuerstrahl, aber nicht mit den Augen sichtbar. Es war mit großen Schmerzen verbunden, so dass ich zusammengekrümmt und bewegungsunfähig da lag. Zeitgefühl hatte ich dabei keins, ich vermute, dass es 20-60 Minuten andauerte. Es hat etwas in mir vernichtet und neu gemacht, etwas geöffnet. Ich habe die Liebe und Annahme von etwas unbeschreiblich Machtvollem real gefühlt. Und alles war gleichzeitig.

Dieses Erlebnis hat mich tief erschüttert und absolut alles verändert. Es gab danach ein inneres Wissen, das ich vorher nicht kannte. Ich habe den Eindruck, dass es nur ein Fitzelchen war, ein Fünkchen von dem, was mich erwartet, wenn ich sterbe. Ich fühle seitdem meine Nichtigkeit, in der ich dem Wirken einer gewaltigen Allmacht untergeordnet bin, und gleichzeitig spüre ich den großen Wert meiner selbst als Teil des göttlichen Ganzen. Ganz tief von innen, nicht aus dem Verstand, kommt ein Antrieb, ständig in Verbindung zu Gott stehen zu wollen und alles auf ihn auszurichten. Ich möchte, dass sein Wille zu meinem Willen wird, damit ich ihm dienen kann. Vielleicht ist das Liebe.


Das hier Geschriebene ist der klägliche Versuch, etwas auszudrücken, was unbeschreiblich ist. Es hat damals ein ganzes Jahr gedauert, bis ich das erste Mal versucht habe, jemandem davon zu erzählen und Worte dafür zu finden. Und auch erst mit viel Abstand habe ich begonnen, in Büchern nach Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu suchen.


Ich bin dabei auf Blaise Pascal und sein Mémorial gestoßen, auf Gerhard Tersteegen, die Heilige Katharina von Genua, Bruder Klaus, Paulus und weitere Menschen, die aufgrund eines plötzlichen einschneidenden Erlebens eine grundlegende Lebenswende vollzogen haben. Die Überlieferungen und Texte dieser Personen begleiten und prägen meinen Glaubensweg bis heute, auch weil ich bei ihnen die gleiche Hürde erkenne, Worte für das zu finden, was sie ausdrücken möchten.


Mir ist bewusst, dass manche solche Erzählungen über Gotteserfahrung für meschugge halten. Das ist mir egal. Es hat für mich keine Relevanz, ob Menschen mich für verrückt halten oder verspotten. Sicherlich gibt es auch welche, die die gute Nachricht erkennen, die darin Trost und Hoffnung finden, dass uns alle bei Gott eine Liebe erwartet, die jegliche Vorstellungskraft sprengt. Angst vor dem Tod habe ich jedenfalls nicht mehr.


Bis dahin möchte ich mein ganzes Dasein, alles, was ich bin, was ich kann und was ich habe zur Verfügung stellen, damit Gottes Willen auf der Erde geschieht. Denn ich weiß jetzt, dass es ohne die Liebe alles nichts war und nichts nutzte.



Bronzestatue Maria trocknet Jesus Füße mit Haaren

 
 
 

2 Kommentare


Gast
04. Okt. 2025

Danke fürs Teilen, das ist sehr beeindruckend.

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Saskia
06. Okt. 2025
Antwort an

Danke für die schöne Rückmeldung! 😊

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