Der Weg, die Wahrheit und das Leben – Eine persönliche Annäherung an Joh 14,6
- 20. Sept. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. März

Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.
(Johannes 14,6–7)
Ein Satz, der mich lange begleitet hat
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“
Dieser Satz gehört zu den bekanntesten Worten Jesu. Lange habe ich ihn gehört, ohne wirklich darüber nachzudenken, was er für mein eigenes Leben bedeutet.
Vermutlich spricht er zu jedem Menschen anders. Ich möchte hier keine Schriftauslegung wagen – ich möchte erzählen, wie der Satz für mich langsam Gestalt angenommen hat.
Ein zentraler Inhalt des christlichen Glaubens ist die Hoffnung, dass das Leben nicht mit dem Tod endet, sondern in Gott seine Vollendung findet. Jesus spricht davon, „zum Vater“ zu kommen. Und er sagt: Er selbst sei der Weg dorthin.
Was heißt das für mich?
Wenn Jesus der Weg ist, dann kann ich mir keinen eigenen bauen.
Wenn er die Wahrheit ist, dann möchte ich keiner Ideologie folgen.
Wenn er das Leben ist, dann werden weder Reichtum noch Macht mich zufriedenstellen.
Aber wie kann Jesus ganz konkret Weg, Wahrheit und Leben sein?
"Erkennen" – mehr als verstehen
Im zweiten Satz sagt Jesus: „Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.“
An anderer Stelle heißt es: „Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen ...“ (Joh 17,3)
Das Wort „erkennen“ meint in der Bibel weit mehr als visuelles Erkennen oder verstandesmäßiges Begreifen. Es beschreibt eine Beziehung – ein Geschehen, bei dem man sich im ganzen Wesen berühren lässt. Es ist ein wechselseitiges Sich-Öffnen, ein Vertrauen, das zulässt, dass ein anderer das eigene Innerste ansehen und berühren darf. Es ist ein ganz wesentlicher Bestandteil von aufrichtiger Liebe.
In diesem Sinn beginnt „Weg“, „Wahrheit“ und „Leben“ für mich nicht mit einer Definition, sondern mit Beziehung.
Drei Wege des Erkennens – meine persönlichen Zugänge
1. Im Wort
Ich greife zur Bibel. Ich möchte die Worte über Jesus – was er sagt und tut – nicht nur wie Geschichten lesen, sondern versuchen, die Botschaften dahinter zu begreifen. Manchmal kommt es zu einer Art von Verstehen, das tiefer dringt als reines Nachdenken. Mit jedem Lesen öffnen sich neue Zugänge. Dabei merke ich oft, dass nicht nur ich Jesus Stück für Stück erkenne, sondern dass ich selbst auch erkannt werde.
2. In der Stille
Kontemplation und das sogenannte Herzensgebet sind für mich ein zweiter Zugang geworden. Kontemplation meint: in Stille Verweilen in Gottes Gegenwart ohne ein konkretes Ziel zu verfolgen. Die Aufmerksamkeit liegt ganz im gegenwärtigen Augenblick. Dabei braucht man nichts zu leisten oder zu formulieren, sondern nur „da sein“.
Ich versuche, gewahr zu werden: der Gegenwart Gottes, meines eigenen Inneren und des Augenblicks – ganz ohne Maske und ohne Rolle. Und ich erlebe, dass in dieser Stille viel geschieht, ohne dass ich es steuern könnte.
Kontemplation ist für mich mittlerweile weniger eine Form des Gebets als vielmehr eine Lebenshaltung geworden.
3. In der Eucharistie
Ein dritter Zugang ist für mich die Eucharistie. Ich glaube, dass beim Empfang der Kommunion eine reale Begegnung geschieht – eine Nähe, die nicht nur symbolisch ist.
Auch hier geht es um ein Zulassen. Ich lasse zu, dass Jesus mich berührt und in mir wirkt.
Die Wirkung: wachsende Liebesfähigkeit
Was sich daraus für mich ergibt, ist keine fertige Erkenntnis, sondern eine Veränderung. Wenn ich mich auf diese Weise auf Jesus einlasse, wächst etwas in mir: Geduld, Sanftmut, Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit.
Vielleicht ist das ein kleiner Hinweis darauf, was es heißen könnte, dass Jesus Weg, Wahrheit und Leben ist: kein abstrakter Satz, sondern gelebte Beziehung – in Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe.




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