Der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6)
- Saskia
- 20. Sept. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Jan. 2025

Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.
(Johannes 14, 6-7)
Ein ganz zentraler Inhalt des christlichen Glaubens liegt in der Hoffnung, dass das Leben nicht mit dem physischen Tod endet, sondern wir in das Himmelreich aufgenommen werden, also "zum Vater kommen". Wie das möglich ist, beantwortet Jesus mit dem Satz oben im Johannesevangelium: ER ist der Weg.
Der Satz ist mir sehr oft begegnet, aber es hat lange gedauert, bis ich angefangen habe darüber nachzudenken, was er konkret für mein Leben bedeutet.
Zunächst ist es recht einfach umzudrehen: wenn Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, dann können es schonmal alle anderen Menschen, Dinge und Leidenschaften nicht sein. Wenn mein Ziel das Himmelreich ist, kann ich also nicht Jesus durch Leistung als Weg ersetzen. Wenn mein Ziel das Himmelreich ist, kann ich nicht Jesus durch eine Ideologie als Wahrheit ersetzen. Wenn mein Ziel das Himmelreich ist, kann ich nicht Jesus durch Reichtum oder Macht als Leben ersetzen.
Aber wie kann Jesus ganz greifbar Weg, Wahrheit und Leben sein? Ich habe für mich die Antwort im nächsten Satz gefunden: "Wenn ihr mich erkannt habt...". Jesus wiederholt diese Aussage später noch einmal und spricht in einem Gebet an den Vater gerichtet: Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. (Johannes 17, 3)
Das Wort "erkennen" umfasst in der Bibel sehr viel mehr als visuelles Erkennen oder Erkennen mit dem Verstand. Erkennen wird dort unter anderem für einen Vorgang verwendet, bei dem mit allen Sinnen, mit Herz und Seele in einem Beziehungsereignis das ganze Wesen des Gegenübers erfasst und berührt wird. Es ist ein wechselseitiges Geschehen, was voraussetzt, dass man vertrauend zulässt, dass der andere einen ebenso im Innersten ansehen und berühren darf. Es ist etwas, was ein ganz wesentlicher Bestandteil von aufrichtiger Liebe ist. (Tatsächlich wird das Wort "erkennen" in der Bibel auch für das Einswerden von Mann und Frau verwendet.)
Für mich gibt es im Bemühen zum Erkennen Jesu drei Elemente:
Zum einen lese ich in der Bibel. In Jesus hat Gott sich klein gemacht bis auf Augenhöhe von uns Menschen, um uns in unserer Sprache und unserem Verstandeshorizont seine Liebe und seinen Willen für uns zu vermitteln. Jede Tat und jedes Wort von Jesus dient dazu, uns das Unbeschreibliche und nicht in Worte Fassbare verständlicher zu machen. Ich lese daher die Worte der Bibel nicht nur, sondern versuche tief einzudringen, um das Wesen und die Botschaft Jesu zu begreifen. Ich werde damit niemals fertig werden, da sich mit jedem Lesen neue Zugänge öffnen. Indem ich Jesus versuche zu erkennen, merke ich, wie ich selbst erkannt werde. Die Worte kommen tiefer an als nur im Verstand. In diesem inneren Verstehen liegt mehr Wahrheit als im Nachdenken.
Zum anderen haben für mich Kontemplation und das so genannte Herzensgebet eine große Bedeutung. Kurz erklärt bedeutet das: in Stille Verweilen in Gottes Gegenwart ohne ein konkretes Ziel zu verfolgen. Die Aufmerksamkeit liegt ganz im gegenwärtigen Augenblick und nicht beim Ego. Ich mag in dem Zusammenhang den Ausdruck "gewahr werden". In der Kontemplation werde ich mir der Gegenwart Jesu gewahr. Ich bete dabei nicht mit Worten, sondern nur mit dem Herzen. Das Herz ist dafür weit offen, so dass ich gleichzeitig auch zulasse, dass Jesus Zugang zu meinem Herz hat. Dort gibt es keine Maske und kein Verstellen. Dort kann Jesus wirken. Das hört sich vielleicht etwas befremdlich an, es geschieht aber staunenswert viel, wenn man sich wirklich darauf einlässt und Jesus machen lässt. Kontemplation ist für mich nicht mehr nur eine Gebetsform, sondern eine Lebenshaltung geworden.
Das dritte Element ist die Eucharistie. Ich glaube daran, dass beim Empfang der Kommunion eine physische Begegnung zwischen Jesus und mir stattfindet. Jesus berührt mich dabei in meinem Innersten und ich lasse das zu.
Die Wirkung des Erkennens liegt in der wachsenden Liebesfähigkeit. Wenn man das Wesen Jesu verinnerlicht, nimmt man auch seine Sanftmut, Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit in sich auf. Und ich denke, das ist tatsächlich eine gute Weise, um zum Vater zu kommen. Das ist also der konkrete Inhalt, wenn ich bekenne, dass Jesus für mich der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.




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