Wunderbar geschaffen – Auf der Suche nach der von Gott gedachten Identität
- 25. Sept. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. März

Du selbst hast mein Innerstes geschaffen,
hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin.
Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.
Dir waren meine Glieder nicht verborgen,
als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewirkt in den Tiefen der Erde.
Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen.
In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: die Tage, die schon geformt waren,
als noch keiner von ihnen da war.
(Psalm 139,13–16)
Von Gott gesehen – von Anfang an
Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Er hat die Ozeane und Berge geschaffen, die Farben der Sonnenaufgänge, den Duft der Blumen und den Instinkt der Tiere. Die Natur als genial aufeinander abgestimmtes System. Eine unfassbare Vielfalt an Pflanzen und Tieren – auf dem Land und unter Wasser. Den Menschen als einziges Lebewesen, das über all das staunen kann. Und dich!
Dass Gott jeden Menschen einzigartig geschaffen hat – ob dick oder dünn, groß oder klein – lernen schon die Kleinsten im Kindergottesdienst. Der Psalmist dankt Gott jedoch nicht für sein Aussehen, sondern sein staunenswertes Innerstes.
Gottes Augen sahen ihn, bevor er Gestalt annahm. Die Tage waren geformt, bevor sie da waren. Gott hatte vor allem Anfang eine Idee für dieses Leben.
Gottes Sehen ist nicht vergleichbar mit unserer visuellen Wahrnehmung. Es ist ein umfassendes Wissen um jeden Aspekt eines Menschen – einschließlich Herz und Seele.
Jesus sieht mehr als das Sichtbare
Als Jesus seine Jünger auserwählte, hatte er nicht nur ihre Gegenwart im Blick – Fischer oder Zöllner – und auch nicht ihre Vergangenheit mit allen guten und schlechten Taten.
Schon als er Simon von seinem Fischerboot rief, sah er in ihm Petrus, den späteren Gründer der Kirche. Schon als er Matthäus aus seinem Zöllnerhäuschen rief, sah er in ihm den Evangelisten, der seine Bergpredigt aufschreiben und so über Jahrtausende weitergeben würde.
Jesus sah nicht nur, was war. Er sah, was werden kann.
Die Suche nach der eigenen Idee Gottes
Es ist spannend, sich auf die Suche zu begeben nach der Idee, die Gott mit dem eigenen Leben hatte.
Wer das eigene Verhalten, Prioritäten und Reaktionen ehrlich hinterfragt, stößt dabei möglicherweise auf schmerzhafte Einsichten.
Erfülle ich als Marionette die Erwartungen und Wünsche anderer?
Verstelle ich mich, um anerkannt zu sein?
Trage ich eine Maske, weil ich Angst habe, dass mein Gesicht nicht gefällt?
Bin ich ein Darsteller und brauche den Applaus?
Passt mein Verhalten zu meinen Worten?
Verfolge ich das Ziel eines anderen?
Wem oder was diene ich?
Dem eigenen Kern näherkommen
Um Schicht für Schicht dem eigenen Kern näherzukommen, helfen weitere Fragen:
Was konnte ich schon immer gut?
Was zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben?
Aus welchem Grund suchen Menschen bei mir Hilfe?
Bei welchem Thema spüre ich echte Begeisterung – so sehr, dass ich andere damit anstecken kann?
Wobei verliere ich mich so, dass ich die Zeit vergesse?
Was in mir ist einmalig staunenswert und wunderbar?
Was ist meine tiefste Sehnsucht?
Schicht für Schicht
Es braucht Mut und Zeit, loszulassen, was man nicht mehr im eigenen Leben haben möchte, um dem Menschen näherzukommen, als den Gott einen gedacht hat.
Mit wachsender Authentizität und Wahrhaftigkeit wachsen auch Freiheit und Verbundenheit – mit sich selbst und mit dem Schöpfer. Entscheidungen, die nicht im Einklang mit der inneren Wegweisung stehen, werden zunehmend schwieriger. Manipulation, Lügen und Falschheit verlieren an Kraft.
Vielleicht ist das ein Weg, um in die eigene, von Gott geschenkte Persönlichkeit hineinzuwachsen.
Nicht Mose – sondern du
Martin Buber schreibt:
Vor dem Ende sprach Rabbi Sussja: In der kommenden Welt muss ich mich nicht verantworten, dass ich nicht Mose gewesen bin; ich muss mich verantworten, dass ich nicht Sussja gewesen bin.
(aus: Hundert chassidische Geschichten)
Am Ende geht es nicht darum, jemand anderes zu werden. Sondern der Mensch zu sein, als den Gott dich gedacht hat.




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